Handlungsempfehlungen I

Ansicht von 0 Antwort-Themen
  • Autor
    Beiträge
    • #240 Reply
      Axel Schneider
      Keymaster

      6. Handlungsempfehlungen für eine nachhaltige Kulturentwicklung
      Nach der Analyse der Herausforderungen und der Ableitung von zwölf allgemeinen Zielen ist die Konkretisierung im Bereich der Handlungsempfehlungen die logische Folge. Hier hat jedoch die strategische Sichtweise vor der einzelnen Maßnahme Vorrang.

      6.1 Querschnittsthemen

      Die spartenübergreifenden Querschnittsthemen umfassen die Sichtweise der handelnden Menschen („Stärkung den Akteur*innen“), die Fragen der Partizipation und Teilhabe im Sinne des Mottos „KULTUR MIT ALLEN“, der Blick auf die Kulturlandschaft („Raus aus der Komfortzone“) sowie die kulturelle Bildung.

      6.1.1.Stärkung der Akteur*innen

      Ob Magdeburg als lebenswert und attraktiv wahrgenommen wird, hängt auch ganz maßgeblich von ihren Kulturangeboten ab. Diese wiederum werden von den verschiedensten Akteur*innen erarbeitet und angeboten, welche eine vielfältige Kulturszene in Magdeburg mitgestalten.
      So werden Kulturangebote zum einen in den Bereichen der kulturellen Kinder-und Jugendbildung, der Konzert-und Musikpflege, der darstellenden und bildenden Kunstvermittlung oder der historischen Bildungsarbeit von Akteurinnen und Akteuren, in den kommunalen Kulturbetrieben und Kultureinrichtungen wie Theater, Puppentheater, Gesellschaftshaus+ Konzerthalle „Georg Philipp Telemann“, Telemann Zentrum und Internationales Telemann Festivalbüro, Kulturhistorisches Museum mit dem Museum für Naturkunde und Technikmuseum, Konservatorium „Georg Philipp Telemann“, Stadtarchiv, Stadtbibliothek und Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen vermittelt.
      Mit ihren soziokulturellen Vermittlungsansätzen führen die Akteur*innen in den soziokulturellen Stadtteilzentren Moritzhof, Feuerwache Sudenburg, Volksbad Buckau und Literaturhaus die Menschen zusammen und beleben mit ihren kulturellen Angeboten die Stadtteile.
      Die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Entwicklungen nimmt hier eine größere Rolle ein. Jedoch gilt insbesondere die freie Kunst- und Kulturszene der Landeshauptstadt auf allen Ebenen ihrer künstlerischen und kulturellen Produktivität als das Medium für die Gestaltung einer demokratischen Gesellschaft. Möchte man die „Freie Szene“ in Worte fassen, so ist wohl die “Freie Szene- Definition“ des Berufsverband bildender Künstler*Innen Berlin (bbk) aussagekräftig und auch auf die „Freie Szene“ Magdeburg übertragbar: „Die Gesamtheit aller frei produzierenden Künstler, Ensembles, Einrichtungen und Strukturen aus den Bereichen Architektur, Bildenden Kunst, Tanz, Schauspiel, Performance, Neue Medien, Musik, Musiktheater, Kinder-und Jugendtheater, Literatur…“.

      Und so prägt die „Freie Szene“ auch in Magdeburg das kulturelle Leben in entscheidendem Maße und sorgt mit ihren Angeboten für das nötige Salz in der Suppe. Auch kurzfristig organisierte Aktionen spielen hierbei eine Rolle, beleben diese doch die Kulturlandschaft Magdeburgs oft auf unkonventionelle Art und tun einfach gut.
      Auch wenn das Engagement der freien Szene wahrgenommen wird, sollte es unerlässlich sein, die sehr vielfältigen, oft ehrenamtlichen Tätigkeiten auf den verschiedensten Ebenen, seitens der Landeshauptstadt Magdeburg noch mehr zu unterstützen und wertzuschätzen. Denn bei aller Kreativität und Unabhängigkeit in ihrem Tun, sind diese Akteur*innen auch von finanzieller Förderung abhängig. Ihr Kampf mit unzureichenden finanziellen und personellen Ressourcen, fehlende Planungssicherheit und Ausbeutung an der eigenen künstlerischen Arbeitskraft und Produktivität sind für den künstlerisch-kreativen Schöpfungsprozess eher hinderlich als förderlich. Die Strukturen müssen im Sinne einer kreativen Arbeit und Produktivität finanziell besser und nachhaltig aufgestellt werden.

      Mit der Schaffung, Produktion, Verteilung und medialen Verbreitung von kulturellen bzw. kreativen Gütern befasst sich in Magdeburg auch die Kultur-und Kreativwirtschaft, deren Besonderheit in der Verschiedenheit liegt: so gehören Musikwirtschaft, Buchmarkt, Kunstmarkt, Filmwirtschaft, Rundfunkwirtschaft, Markt für darstellende Künste, Designwirtschaft, Architekturmarkt, Pressemarkt, Werbemarkt ebenso zur Branche, wie die Software- und Games-Industrie. Und so gestalten z.B. Musiker*innen, Bildhauer*innen, Architekt*innen, Softwareentwickler*innen, Kamerafrauen und -männer, Drehbuchautor*innen mit ihren Kultur-und Kreativunternehmen eine lebendige Stadt. Die Kultur- und Kreativwirtschaft gilt gemäß aktueller Branchenberichte als Hoffnungsträgerin für Beschäftigung und wirtschaftliche Entwicklung, die Akteur*innen sind zumeist erwerbswirtschaftlich orientiert.
      Demgegenüber stehen jedoch prekäre Arbeitsverhältnisse, fehlende soziale Absicherung, eine zunehmende „Entgrenzung“ von Arbeit und Privatleben sowie geringe Einkommensmöglichkeiten für auf dem Arbeitsmarkt Kultur.
      Dies alles verdeutlicht auch, dass eben gerade hier, bei den agilen Macher*innen aus der freien Szene sowie der Kultur-und Kreativwirtschaft seitens der Kommunalverwaltung viel unternommen werden muss, um eine verlässliche Basis für ihre kreative Arbeit zu schaffen. Neben der Wertschätzung ideeller Art ist eine Anerkennung durch materielle Absicherung unerlässlich.

      Alle diese kreativen Menschen bestimmen und beleben die Kulturszene in Magdeburg auf vielfältige Art. Dennoch kann das Gefühl des „sich-im-eigenen-Kreis-Drehens“ bei Kunst- und Kulturschaffenden leicht entstehen, wenn diese sich anhaltend mit sinkenden Besucherzahlen, allgemeinem Desinteresse an den dargebotenen Kulturprogrammen oder mit fehlendem Nachwuchs im Sinne ihres Publikums auseinandersetzen müssen, jedoch das Risiko neue, innovative Wege zu beschreiten, scheuen. Eine Aktivierung aller Beteiligten in den unterschiedlichen Sparten, Ressorts und Stadtteilen ist deshalb unabdingbar und muss durch eine stärkere Einbindung, durch Dialog und gegenseitige Wertschätzung erfolgen. Kunst- und Kulturschaffende sollten in ihrer kreativen Produktion gestärkt werden, um neue Wege zu gehen: Formate überdenken und Experimente wagen.

      Handlungsempfehlungen:

      • Jährliches Kulturforum „KULTUR MIT ALLEN“
      • Angebot von Workshops, Beratungen seitens der (Kultur-)Verwaltung
      • Schaffung von Räumen und Freiräumen für eine Kultur des Ermöglichens
      • Sichtbarkeit durch Kommunikation und Digitalisierung / neue Kommunikationsstrategien
      • Stärkung und Systematisierung der Netzwerkbildung
      • Konnektivität fördern
      • Evaluation Mittelverteilung – Transparenz von Förderstrukturen herstellen
      • Stadt als Vorbild: Landeshauptstadt Magdeburg sollte beispielhaft agieren (Ausschreibungen, nachhaltige Beschaffungen, Honorarverträge, Diversität, Gender Mainstreaming)
      • Projekte und Maßnahmen zur Entwicklung des Themas „Magdeburger Recht“ im regionalen und internationalen Kontext
      • Belebung und Ausbau des Telemann-Städtenetzwerkes
      • Besondere Unterstützung von überregionalen und internationalen Projekten
      • Entwicklung von kulturellen Austauschprogrammen
      • Gemeinsame Veranstaltungen von Fördervereinen und anderen zivilgesellschaftlichen Kulturstrukturen werden durch die Stadt im Rahmen der Möglichkeiten unterstützt (z. B. durch die Bereitstellung von Räumlichkeiten)
      • Die Anerkennung und Würdigung des bürgerschaftlichen Engagements in Kultur(förder)vereinen wird durch geeignete Maßnahmen öffentlich dokumentiert
      • Die Kreativwirtschaft wird als wichtiger Partner in die bestehenden und zu schaffenden Netzwerke eingebunden, um die lokalen Akteure zu stabilisieren.

      6.1.2. Verbesserung der sozialen und kulturellen Teilhabe

      Die Landeshauptstadt Magdeburg strebt an, die Bürgerinnen und Bürger in allen Prozessen stärker zu beteiligen. Für die Kinder- und Jugendlichen hat die Stadt im Jahr 2020 ein Beteiligungskonzept entwickelt. Ziele sind hier Stärkung bzw. strukturelle Verankerung von Kinder- und Jugendbeteiligung im Rahmen des kommunalpolitischen Handelns. Kinder- und Jugendbeteiligung wird als Querschnittsaufgabe in Umsetzung des § 80 Kommunalverfassungsgesetzes betrachtet. Die Entwicklung nachhaltiger und kontinuierlicher partizipativer Prozesse sowie der Aufbau einer Beteiligungskultur in Umsetzung der Rechte von Kindern und Jugendlichen auf Information, Gehör und Beteiligung unter Berücksichtigung folgender vier Prämissen
      • zielgruppenspezifisch
      • orientiert an Lebenslagen
      • methodisch vielfältig
      • sozialraumorientiert

      Analog zur Kinder- und Jugendbeteiligung wird die Partizipation anderer Bevölkerungsgruppen angestrebt. So sollten beispielsweise der Beirat für Integration und Migration ebenso wie der Seniorenbeirat oder andere Gremien, die für Bevölkerungsgruppen sprechen, einbezogen werden. Es wird auf dem Gebiet der Kultur angestrebt von den Vorstufen (Information, Anhörung, Einbeziehung) zu einer tatsächlichen Partizipation zu gelangen, in der Mitbestimmung und Entscheidungskompetenzen gefordert werden.

      In städtischen Kultureinrichtungen wird Partizipation und Beteiligung auf vielfältige Weise ernst genommen. Dies beginnt mit Gästebüchern, Wunschlisten und Publikumsbefragungen und wird über anspruchsvollere Verfahren (Beispiele Elternvertretung im Konservatorium oder Mitwirkung im Theaterjugendclub) fortgeführt. Fördervereine und Freundeskreise einzelner Institutionen begleiten partizipativ verschiedene städtische Kultureinrichtungen. Hinzu kommt die Praxis offener Formate, wie beispielsweise der Arbeitskreis für die Kulturnacht, an dem alle Menschen zum Mitbestimmen eingeladen werden.

      Ein Schlüssel für die Förderung der Partizipation ist die Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements und des Ehrenamtes.

      Die städtischen Kultureinrichtungen sollen für ihren jeweiligen Bereich ermitteln, wie die Partizipation von Kindern und Jugendlichen und die Beteiligung anderer Bevölkerungsgruppen ermöglicht und verbessert werden kann.

      Die Stadtteile dürfen nicht vernachlässigt werden, wobei einfache niedrigschwellige Projekte mit den vorhandenen Strukturen vor Ort sinnvoll sind. Die städtischen Kultureinrichtungen prüfen, ob und wie sie in den Stadtteilen über Kooperation mit örtlichen Strukturen sichtbar und wirksam werden können.

      Die „Freie Szene“ soll bzw. muss finanziell gestärkt werden, es wird geprüft, ob dies durch eine dynamische Quote am Kulturetat umgesetzt werden kann.
      Die Förderung überjähriger Projekte (z. B. auf das Schuljahr oder die Theatersaison bezogen) soll vereinfacht und entbürokratisiert werden. Für eine Verstetigung von Projekten ist bei größeren Vorhaben die Förderung über drei Jahre notwendig.
      In den Förderrichtlinien sollte enthalten sein, dass Träger von geförderten Veranstaltungen verpflichtet werden, diese entsprechend zu kommunizieren, z. B. in den klassischen Veranstaltungskalender einzutragen. Alle geförderten Veranstalter sollten sich selbst in die noch zu schaffende Datenbank der Akteure eintragen.

      Es wird angestrebt, dass in den städtischen Kultureinrichtungen sowie in der Freien Kulturszene in angemessenem Umfang Ausbildungsplätze, Freiwilligendienstplätze und Praktikumsplätze für junge Menschen angeboten werden. Mit dem demografischen Wandel und dem Fachkräftemangel muss auf diesem Gebiet schon jetzt für Verjüngung der Beschäftigten gesorgt werden.

      Social Media und andere digitale Kommunikationsformen sind effektiv und kostengünstig, sie ermöglichen durch Votings, Kommentare, „Likes“ und andere Formen dialogische Beteiligung des Publikums. Diese Form der Information und Werbung muss sowohl für die Kulturinistutionen als auch für die „Freie Szene“ den Print-Bereich ergänzen oder erweitern bzw. ablösen. Eine Digitalisierungsstrategie der Verwaltung, die auch die Kulturbereiche umfasst, wird eingefordert. Die bestehenden Veranstaltungskalender und Vereinsdatenbanken auf der Homepage der Stadt sollten modernisiert werden, damit die Möglichkeit, Veranstaltungen selbst einzutragen, verbessert werden. Die Zusammenarbeit des Kulturbereichs mit MMKT, Tourismus, ticket39.de, magdeboogie usw. soll intensiviert und effektiviert werden werden.
      Sowohl in der Kulturvermittlung als auch in der Kulturvermarktung bestehen noch Potentiale, Synergieeffekte der städtischen Einrichtungen untereinander besser nutzen (Vergabeverfahren, Social Media, Partizipation, Programmvorstellungen für Schulen, Ticketverkauf, Publikumsbindung).

      Die gegenseitige Wertschätzung zwischen Kulturakteuren und Medienschaffenden sollte kontinuierlich gepflegt werden. Schließlich ist der Mediensektor immanenter Teil des Kulturbetriebs und der Kreativwirtschaft. Es ist zu prüfen, ob und wie des Engagement der Kultureinrichtungen in lokalen analogen und digitalen Medien besser dargestellt werden kann. Die Kooperation mit Print- und Internetpublikationen soll intensiviert werden (Volksstimme, Dates, mdr, MDF 1, Kultur-MD, Magdeboogie), Kooperationen sind anzustreben.

      Handlungsempfehlungen zur Förderung der Teilhabe sind:

      • Nachbarschaftsprojekte in den Stadtteilen durch Zusammenarbeit zwischen kulturellen und sozialen Trägern
      • Vereinfachung des Fördermittelmanagements für ehrenamtliche Kulturschaffende
      • Entwicklung neuer Kommunikationsstrategien für Verwaltung und Stadtgesellschaft
      • Ausbildungsplätze für junge Menschen im Kulturbereich und der Kreativwirtschaft schaffen
      • Entwicklung zeitgemäßer Vermittlungsansätze für alle Altersgruppen
      • Kooperation der Kulturinistitutionen mit Einrichtungen für die Pflege des freiwilligen Engagements

      6.1.3. Profilierung und Internationalisierung der Kulturlandschaft

      Die Kulturlandschaft Magdeburgs ist geprägt von einer verlässlichen und konsistenten Struktur, die getragen wird von kommunalen Institutionen wie Theater, Museen, Bibliothek, Musikschule etc.
      Soziokulturelle Einrichtungen in den Stadtteilen leisten seit vielen Jahren mit maßgeblicher finanzieller Unterstützung der Stadt eine kontinuierliche und, auch vor dem Hintergrund der unter Punkt 4 beschriebenen Veränderungen in der Stadtgesellschaft, eminente Arbeit.
      Auch private Initiativen wie z.B. das Theater an der Angel, die Kunstmesse KunstMitte oder die Kabaretts prägen das kulturelle Leben.

      Festivals und wiederkehrende Veranstaltungsreihen (z.B. Domplatz-Open-Air, Telemann-Festtage, Jazztage, Tage der jüdischen Kultur und Geschichte, Literaturtage, Internationales Figurentheaterfestival, KinderKulturTage, Sinuston-Festival) sind eine wichtige Ergänzung des regulären Kultur- und Kunstbetriebes.

      Mit den Kultur- und Kunstpreisen (Telemann-Preis, Kaiser-Otto-Preis, Eike-von-Repgow-Preis) oder Maßnahmen der Künstlerförderung (Stadtschreiberstipendium, Künstlerateliers in den Tessenowgaragen) bietet Magdeburg Möglichkeiten der Würdigung und Unterstützung kulturell-künstlerischer Leistungen.

      Freie Projekte von Initiativen, Vereinen oder Privatpersonen werden im Rahmen der Projektförderung alljährlich unterstützt.
      Bemerkenswert ist die inzwischen vielfältige, vitale Freie Kulturszene, die sich unabhängig von öffentlicher Förderung und festen Strukturen ihre Freiräume in der Stadt sucht und spontane Aktionen plant und umsetzt oder sich auch Orte aneignet (z.B. Insel der Jugend, Datsche, Werk 4).
      Diese sieben Aspekte beschreiben die Kulturlandschaft Magdeburgs als eine vielfältige, lebendige.
      Aufgabe der städtischen Kulturpolitik im Sinne ihres Gestaltungsauftrages ist es zunächst, die Entstehung und Entwicklung der oben genannten Bereiche zu ermöglichen und zu fördern. Dies allein reicht jedoch nicht aus; wenn sich Magdeburg im Wettbewerb der Städte (um Arbeitskräfte, Touristen, Studierende) erfolgreich platzieren will, ist es erforderlich, seitens der Kommunalpolitik Strukturen und Rahmenbedingungen zu schaffen, die die Akteure und Institutionen motivieren, Experimente zu wagen, neue Formate zu entwickeln, sich besser zu vernetzen und auch überregional bzw. international zu kooperieren.

      Den kommunalen Kultureinrichtungen kommt eine elementare Rolle bezüglich der Stärkung der Kulturlandschaft zu. Insbesondere das Theater Magdeburg, die städtischen Museen und die Stadtbibliothek können bei der Netzwerkbildung Anstöße geben und aktivierend wirken. Durch die Einbindung, den Dialog und die Wertschätzung der im Kulturbereich Tätigen aus unterschiedlichen Sparten, Ressorts und Stadtteilen soll der Austausch untereinander ermöglicht und gestärkt werden.
      Fehlende oder unzureichende Vernetzung, ein fehlendes Kulturmarketing erschweren die wirkungsvolle Kulturarbeit im Sinne ihrer urbanen Strahlkraft.

      „Design Thinking“, also der Perspektivwechsel von der Innensicht zur komplexen, gemeinschaftlichen Aufgabe (für wen machen wir Kunst und Kultur? Was wollen wir erreichen?) muss bewusst trainiert, gefördert und gefordert werden, um aus der Vielzahl von Einrichtungen und Aktivitäten eine Kulturlandschaft zu entwickeln.
      Die Schaffung eines gemeinsamen Kulturmarketings kann erheblich dazu beitragen, das Verständnis füreinander zu stärken und Kooperationen einzugehen.
      Auch die Entwicklung einer verstärkten Arbeit der städtischen Kulturinstitutionen in und mit den Stadtteilen kann dazu beitragen, dass die aktive Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber institutionalisierten Kunst- und Kulturangeboten wächst. Die „Kulturnacht“ ist ein Experimentalfeld, das hierfür noch stärker genutzt werden kann.
      Auf der anderen Seite wäre es für Projektträger der nicht institutionalisierten Kulturarbeit im Sinne einer breiteren Wahrnehmung ihrer Angebote wünschenswert, wenn die städtischen Institutionen ihre Räumlichkeiten für Projekte der freien Szene zur Verfügung stellen würden.
      Für die Dynamisierung der Stadtteil- und Soziokultur kann es hilfreich sein, Zielvereinbarungen zwischen den Einrichtungen und der Kulturverwaltung abzuschließen: Zum einen dient dieses Instrument dem Hinterfragen der eigenen Arbeit, der (Selbst-) Evaluation, zum anderen lassen sich daraus inhaltlich begründete Bedarfe an anzupassende Strukturen, Finanzierungen etc. entwickeln. Für das Gelingen solcher Vereinbarungen ist der stetige Dialog zwischen Verwaltung und Akteuren wesentlich. Gegenseitiges Vertrauen, Planungssicherheit und kontinuierliche Kommunikation herzustellen, ist Aufgabe der Verwaltung.
      Die Nutzung des öffentlichen Raumes für Kunst- und Kulturprojekte muss allen Akteuren möglich sein. Hier spielt die Stadtverwaltung bei der Schaffung von angemessenen Rahmenbedingungen eine grundlegende Rolle.
      Eine verstärkte, koordinierte Zusammenarbeit mit den Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Wirtschaftsunternehmen kann neue Ansätze für eine innovative Kulturarbeit bieten.

      Handlungsempfehlungen:
      • Entwicklung eines gemeinsamen Kulturmarketings
      • Anpassung der Strukturen der Kulturverwaltung an Entwicklungen und Bedürfnisse der Kulturszene
      • Entwicklung und Verstetigung eines Dialoges zwischen Akteuren, Institutionen und Verwaltung
      • „Design Thinking“ als Planungsmethode

      Profilierung
      Profilierung setzt gegenseitige Kenntnis, Akzeptanz und Kooperation voraus. Die in den Diskussionen und Workshops eingeforderte stärkere Vernetzung und Systematisierung bestehender Netzwerke kann mittelfristig dazu führen, das Profil der freien, privaten und kommunalen Kultureinrichtungen zu schärfen und sich letztlich dadurch inhaltlich besser zu verzahnen.
      Aber auch den Einrichtungen selbst steht die Möglichkeit der Zielentwicklung und Selbstevaluation als Instrument der Selbstvergewisserung und Profilschärfung zur Verfügung. Dies in den beruflichen Alltag einzuordnen und als Chance der Qualitätssicherung und -steigerung zu begreifen, setzt die Schaffung von entsprechenden Rahmenbedingungen voraus.

      Handlungsempfehlungen:
      • Entwicklung und Verstetigung eines Dialoges zwischen Akteuren, Institutionen und Verwaltung
      • Regelmäßige (Selbst-)Evaluation

      Internationalisierung
      Die Geschichte der Stadt, ihr (immaterielles) kulturelles Erbe und dessen zeitgemäße Interpretation im Verbund mit der gegenwärtigen Kunst- und Kulturszene der Stadt bietet Potential und Spielraum für die Entwicklung und Stärkung Magdeburgs als eine Kulturstadt mit sowohl überregionaler als auch internationaler Wahrnehmung.
      Insbesondere der Musikbereich soll genutzt werden, um Magdeburg international zu positionieren. Daneben bieten das „Magdeburger Recht“ und das reiche Erbe der 1920er Jahre hervorragende inhaltliche Möglichkeiten, mit entsprechenden Veranstaltungsformaten auch international zu kooperieren und wahrgenommen zu werden.
      Der besseren Vermarktung der bereits bestehenden – sowie der Entwicklung möglicher neuer Kunst- und Kulturpreise soll größere Aufmerksamkeit geschenkt werden.
      Die Notwendigkeit der Neukonzeption der Vergabe der Künstlerateliers in den Tessenowgaragen wurde im Rahmen eines Kolloquiums diskutiert, verbunden mit der Fragestellung, ob und wie ein Artist-in-Residence-Programm aufgestellt werden sollte; regionale und internationale Begegnungen zwischen KünstlerInnen können damit entscheidend befördert werden.

      Ankerpunkte der Kulturpolitik im internationalen Bereich sind
      • das „Magdeburger Recht“ und die daraus abzuleitenden Beziehungen zu Städten in Mittel- und Osteuropa;
      • die historische und gegenwärtige Rolle der Stadt mit europäischer Bedeutung;
      • die Städtepartnerschaften und der dadurch mögliche kulturelle Austausch;
      • die gewachsenen internationalen Partnerschaften zwischen Hochschulen und Verbänden;
      • die Zusammenarbeit mit zugewanderten Menschen und internationalen Studierenden und ihren Organisationen.

      Handlungsempfehlungen
      • Europäische Kooperationen anstreben;
      • in europäische Netzwerke (Theater, Museen, Bibliotheken, Soziokultur usw.) eintreten;
      • Themen mit europäischer Perspektive aufgreifen (Repertoire, Ausstellungen, Lesungen usw.);
      • europäisches Publikum ansprechen und als Kund*innen gewinnen;
      • EU-Fördergelder akquirieren.

      6.1.4. Kulturelle Bildung
      Querschnittsaufgabe zwischen Kultur, Bildung und Sozialem

      Kulturelle Bildung ist in der Landeshauptstadt Magdeburg lebendig – sie findet in allen kulturellen Bereichen mehr oder weniger intensiv und strukturiert statt. Sie umfasst kreativ-künstlerische Betätigungsfelder und ist ein lebensbegleitender Prozess, zu dem alle Menschen, unabhängig von Alter, Geschlecht und sonstigen Lebensumständen Zugang haben sollen.

      Mit der „Road Map for Arts Education“, die 2006 von der UNESCO-Weltkonferenz zur Kulturellen Bildung verabschiedet wurde, hat sich Deutschland mit anderen Mitgliedstaaten das Ziel gesetzt, kulturelle Bildung für alle Menschen zu verbessern. Diese Road Map begreift kulturelle Bildung als zentralen Bestandteil einer umfassenden Persönlichkeitsbildung, die wesentliche Voraussetzungen für eine aktive, demokratischen Regeln folgende Teilhabe an der Gesellschaft schafft. Kulturelle Bildung beschränkt sich danach nicht auf Wissensvermittlung in kulturellen und künstlerischen Prozessen, sondern bedeutet vor allem auch Selbstbildung durch aktive Lernprozesse. Zudem ist sie eine besondere Methode zur Wissensaneignung in allen Lebens- und Themenbereichen. Durch kulturelle Bildung werden grundlegende Fähigkeiten und Fertigkeiten im Sinne sozialer Kompetenzen erworben: Sprachfähigkeit, Lesekompetenz, Kompetenz im Umgang mit Bildsprache, Körpergefühl, Integrations- und Partizipationskompetenz, aber auch Disziplin, Flexibilität, Kritikfähigkeit und Teamfähigkeit und Empathie. Sie soll zur „Wahrnehmungsfähigkeit für komplexe soziale Zusammenhänge beitragen, das Urteilsvermögen stärken und zur aktiven und verantwortlichen Mitgestaltung der Gesellschaft ermutigen“.

      Ziel ist es, dass bedarfsgerechte Angebote der Kulturellen Bildung als Querschnittsaufgabe in allen künstlerischen Sparten für unterschiedliche Zielgruppen unterbreitet werden sollen. Kulturanbieter und Bildungseinrichtungen benötigen für diese Kooperationen verlässliche Rahmenbedingungen. Im Rahmen der Möglichkeiten sollte kulturelle Bildung vor allem für Kinder und Jugendliche kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Vorschuleinrichtungen, Schulen, Horte und Kinder- und Jugendfreizeitstätten sollen in Zukunft vielfältige Möglichkeiten haben, außerschulische Kulturorte aufzusuchen oder Angebote von Kultureinrichtungen vor Ort umzusetzen. Räumliche, soziale und bildungsbezogene Hürden sollten für alle Zielgruppen abgebaut werden.
      Für Angebote kultureller Bildung besteht Teilhabegerechtigkeit, so dass Inklusion und Interkulturalität grundsätzlich angemessen berücksichtigt werden.
      Die Landeshauptstadt Magdeburg strebt an, dass die Angebote kultureller Bildung durch qualifiziertes Fachpersonal unterbreitet werden und damit eine hohe Qualität besitzen.

      Die Zusammenarbeit zwischen Bildungs- und Kultureinrichtungen ist ausbaufähig. In vielen Bereichen der kulturellen Bildung ist die Infrastruktur noch nicht genügend ausgebaut. Kulturelle Bildungsangebote freier Träger haben oft Umsetzungsprobleme wegen mangelnder Finanzierung, bürokratischer Anforderungen und personeller Ressourcen.
      Wichtigste Kooperationspartner auf Seiten der Bildung sind Kindertageseinrichtungen, Schulen aller Schularten, Horte und Hochschulen. Auf Seiten der Kultur sind die Bibliotheken und Museen, die Theater, das Konservatorium und Einrichtungen der Soziokultur, der Literatur sowie der Bildenden Kunst wichtige Partner.

      Einerseits fallen Unterrichtsstunden in den Fächern Musik, Kunst und Darstellendes Spiel überproportional häufig aus oder werden fachfremd unterrichtet, andererseits kann festgestellt werden, dass eine Vielfalt und Vielzahl städtischer kulturpädagogischer Angebote für junge Menschen unterbreitet wird.

      Beispielhaft zu nennen sind hier:
      • Museumspädagogische Angebote (z. B. das historische Planspiel „Megedeborch“ im kulturhistorischen Museum)
      • Vielfältige Programme zur Leseförderung der Stadtbibliothek
      • Familientage und Bildungsveranstaltungen im Technikmuseum
      • Angebote des Konservatoriums bzw. privater Musikschulen
      • Kurse und Angebote der Jugendkunstschule
      • Theaterjugendklubs und freie Kinder- und Jugendtheater
      • Theaterballettschule sowie private Tanzgruppen
      • Schreibwerkstätten im Literaturhaus
      • Kulturpädagogische Angebote in der Stadtbibliothek und im Stadtarchiv
      • Kinder-Kultur-Tage

      Zum Teil finden diese Angebot im Freizeitbereich, also in den Ferien, an Wochenenden und in den Nachmittagsstunden, statt. Andererseits werden im schulpflichtigen Bereich alle Schülerinnen und Schüler erreicht, so dass hier die Kooperation angestrebt wird. Die städtischen Kultureinrichtungen haben vielfach Kontakte zu Schulen, Vorschuleinrichtungen und Horten aufgebaut. Zwischen den Akteuren der Kultur und der Bildung werden häufig Kooperationsvereinbarungen getroffen, um die Zusammenarbeit zu strukturieren. Das Bundesprogramm „Bündnisse für Bildung – Kultur macht stark“ des Bundesbildungsministeriums hat diese Zusammenarbeit als Fördervoraussetzung vorgeschrieben. Durch die dauerhafte Kooperation zwischen Trägern der Kultur, der formalen Bildung und sozialräumliche Akteure (z. B. Wohlfahrtsverbände) entstehen „Bildungslandschaften“, die das urbane Zusammenleben nachhaltig fördern.

      In den kommenden Jahren sollten durch die Zusammenarbeit von Kultur, Kinder- und Jugendhilfe sowie Bildungseinrichtungen intensiviert und gesichert werden. Eine kulturelle Schulentwicklung sollte sowohl von den städtischen Kultureinrichtungen als auch von der Freien Kulturszene wohlwollend begleitet werden. Die Einbindung der Elternhäuser in die kulturelle Bildungsarbeit ist zu stärken. Dazu können in Abständen Träger kultureller Bildungsprojekte in Elternabenden oder Elternsprechstunden an den Schulen ihre Angebote vorstellen.

      Ein großes Problem für Anbieter bildet die Förderpraxis, die auf Haushaltsjahre bezogen ist, wenn die Projekte auf ein Schuljahr angelegt sind. Deshalb sollten ausgewählte kulturelle Bildungsangebote verstetigt bzw. auf mehrere (Schul-)Jahre angeregt werden, um neben befristeten Projekten und Modellversuchen auch längerfristige Maßnahmen zu finanzieren.

      Die Finanzierung der Angebote kultureller Bildung innerhalb und außerhalb von Schule bildet ein weiteres Problem. Hier sollte ein zu bildendes Gremium (z. B. Fachbeirat Kulturelle Bildung) versuchen, unbürokratische Lösungen zu finden, die den Bedürfnissen aller Beteiligten gerecht werden. Die Erfahrungen anderer Kommunen mit Gutscheinen, Bonus-Heften, Abonnements und anderen Verfahren sollen geprüft werden. Eine Ko-Finanzierung durch das Land und durch Sponsoring bildet ebenfalls eine Möglichkeit, die Eintrittspreise zu minimieren.

      Die Pädagogen- und Erzieherausbildung im Bereich der kulturellen Bildung unter Einbeziehung der Kulturinstitutionen muss verbessert und intensiviert werden, auch durch Pflichtveranstaltungen für Pädagogen und Erzieher. Eine Weiterbildung zu Themen, wie z. B. Entwicklungen im Bereich der modernen Bildenden Kunst oder moderner Theaterformen, werden zertifiziert.

      Seitens der Kulturverwaltung wird die Zusammenarbeit zwischen Volkshochschule, anderen Träger der Erwachsenenbildung und Kultureinrichtungen zum Zwecke der Entwicklung von Angeboten der Kulturellen Bildung wohlwollend begleitet bzw. koordiniert.

      Durch Fortbildung, Kommunikation und regelmäßigen Austausch soll die Praxis fortgeführt und ständig verbessert werden. Mit Hilfe einer Datenbank und der Zusammenarbeit der unterschiedlichen Bildungsträger sollen neue Angebotsformate für spezifische Zielgruppen entwickelt werden.

      Handlungsempfehlungen:
      – Strukturierung der Zusammenarbeit zwischen Schule und Trägern kultureller Bildung;
      – Unterstützung bei kulturellen Angeboten für bestimmte Zielgruppen;
      – Beratung und Fortbildung für Fachkräfte;
      – Erprobung von Modellen kultureller Schulentwicklung

Ansicht von 0 Antwort-Themen
Antwort auf: Handlungsempfehlungen I
Deine Information: