Handlungsempfehlungen – II

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      Axel Schneider
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      6.2. Einzelthemen

      Neben den Herausforderungen, Zielen und vier Querschnittsthemen, die alle Bereiche von Kunst und Kultur übergreifend betreffen, werden im Folgenden Beschreibungen und Handlungsempfehlungen für die spezifischen Sparten von Kunst und Kultur formuliert.

      Die folgenden neun Bereiche sind alphabetisch geordnet, um keine Gewichtung der Sparten zu definieren:

      • 6.2.1 Bildende Kunst
      • 6.2.2 Darstellende Künste
      • 6.2.3 Kreative Allianzen
      • 6.2.4 Kulturelles Erbe und Stadtgeschichte
      • 6.2.5 Kultur- und Kreativwirtschaft
      • 6.2.6 Literatur
      • 6.2.7 Musik
      • 6.2.8 Stadtteil- und Soziokultur
      • 6.2.9 Theater

      6.2.1. Bildende Kunst in der Stadt Magdeburg
      Die Stadt verfügt, obwohl Landeshauptstadt, nicht über eine Kunsthochschule. Dies bedeutet, dass die künstlerische Szene klein und überschaubar ist. Darin unterscheidet sich Magdeburg nicht von anderen Städten ohne künstlerische Universitäten und Hochschulen. Aus diesem Grund kommt dem Kunstmuseum der Landeshauptstadt eine große Bedeutung zu, denn Bildende Kunst als Motor für Vielfalt und nationale wie internationale Ausstrahlung sind für Städte und ihre Anziehungskraft unentbehrlich.
      Bildende Kunst erzeugt eine Vielfalt an Kommunikationsmöglichkeiten. Aus diesem Grund ist sie im Stadtgefüge unverzichtbar. Neue visuelle Herausforderungen in unserer Zeit geben zusätzliche Impulse. Dies gilt es in Zukunft auszubauen und an markanten Positionen im Stadtraum zu stärken.
      Kunst im Museum der Landeshauptstadt bis 2030
      Das Kunstmuseum der Landeshauptstadt ist seit vielen Jahren das wichtigste Haus für die Kunst der Gegenwart in der Stadt und seit einigen Jahren darüber hinaus im Land Sachsen-Anhalt. Es wird im kommenden Jahrzehnt darum gehen, diese Funktion weiter auszubauen, um langfristig eine qualitätvolle Entwicklung der Kunst und Kultur entsprechend anderer Landeshauptstädte zu entwickeln. Das Besucherpotential von Kunstmuseen ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen.
      Das Kunstmuseum der Landeshauptstadt ist seit Jahren ein Kunstort, der im Wachsen begriffen ist. Seit 1975 als Kunstmuseum der Landeshauptstadt genutzt, feierte es 2015 sein 40jähriges Bestehen und präsentierte damals den Zuwachs an Sammlungen in einer großen Sonderausstellung.
      Die stetig wachsende Sammlung, die sich zu je einem Drittel aus Erwerb durch die Landeshauptstadt und Dritte, u.a. die Freunde und Förderer des Museums, das Land Sachsen-Anhalt und Schenkungen zusammensetzt, benötigt in Zukunft mehr Aufmerksamkeit und Platz.
      Seit 2015 haben mehrere Erwerbungen, Schenkungen (u.a. Sammlung Fotografie Schultz, Depositorien, Stiftungen und Schenkungen) zu einer Sammlungserweiterung der internationalen Kunst der Gegenwart – vor allem im Bereich der Malerei, Fotografie und Video/Installation) geführt.
      Mit seinem Skulpturenpark greift das Kunstmuseum aktiv in den Stadtraum. Der Park ist in ständiger Weiterentwicklung begriffen. Neben klassischer Skulptur wurden und werden weitere Licht-, Klang- und Medienskulpturen entstehen. Sorgfältige Anpassung und stetige Attraktivitätssteigerung sowie die Entstehung neuer räumlicher Bezüge zur Schaffung von Aufenthaltsqualitäten sind inbegriffen.
      Im Jahr 2020 bis 2022 erfolgt die weitere bauliche Instandsetzung des Gebäudes aus Mitteln des EFRE Welterbe-Programms.
      Gerade die Kunstmuseen spielen aufgrund ihrer großen Freiheit und ihrer Anbindung an Künstler als Motoren gesellschaftlicher Entwicklung eine immense Rolle in der kulturpolitischen Entwicklung der Gegenwart und Zukunft.
      Ein Kunstmuseum ist nicht (nur) als Container für Kunst zu begreifen, sondern als Kommunikationsraum, der verschiedene Formen des Handelns und Denkens schafft, sie zulässt und einfordert und zugleich vielfältige Verbindungen zur Stadtgesellschaft herstellt.
      Das Kunstmuseum als Ort der Kunstpräsentation wird somit zur Herausforderung und wirft Fragen auf nach seiner gegenwärtigen Rolle im Umgang mit Kunst und Gesellschaft.
      Lebenslanges Lernen ist ein Schlüsselelement zur Erreichung des strategischen Ziels von Lissabon. Für Kunstmuseen bedeutet dies neue Vermittlungsstrategien zu entwickeln, die Lernen und Entspannen, Hören und Sehen verbinden, um so eine aktive Rolle im gesellschaftlichen Wandel zu vollziehen: angesagt ist in Zukunft nicht mehr das ehrfürchtige Staunen, sondern die persönliche Ansprache und Erlebbarkeit von Kunst und Kultur. Hier liegt die Herausforderung und eine immense Chance für die Zukunft. Eine Weiterentwicklung des Kunstmuseums wird nach Abschluss der baulichen Instandsetzung ins Auge gefasst.
      Architektur wirkt als sozialer, kultureller und wirtschaftlicher Aspekt, Museumsarchitektur als Medium der Repräsentation einer Stadt, des kulturellen Gedächtnisses einer Region oder einfach als Ort des Flanierens und der kulturellen Zerstreuung – Kunstmuseen und ihre Architekturen sind wie kaum eine andere Kultureinrichtung der Gegenwart geeignet, um modernes Freizeitverhalten und kulturelle Bildung aller Generationen miteinander zu vereinen. Diese Möglichkeiten, die sich in ständiger Entwicklung befinden, gilt es für die Zukunft der Innenstadtentwicklung zu nutzen.

      Kulturmeilen zwischen Kulturhistorischem Museum, Dommuseum, Dom und Kunstmuseum sind „Flaniermeilen der Kunst“ und werden damit Teil der Stadtentwicklung: Benötigt wird ein neues Verständnis der Repräsentanz von Kunst und Architektur, das in der Innenstadt den Alltag der Menschen zwischen Einkauf und Stadtbummel erreicht.
      Artist in Residence (AiR)

      Mit der Einrichtung und Ausschreibung von sieben Künstler*innenateliers im Jahr 1999 legte die Landeshauptstadt Magdeburg in einem ersten Schritt einen wichtigen Grundstein für die Förderung der bildenden Kunst. Insgesamt 37 Künstler*innen profitierten seither von einer Förderung durch die Landeshauptstadt Magdeburg. Die Stipendien wurden bislang überwiegend an regional beheimatete Künstler*innen vergeben.

      Mit der Entwicklung eines international ausgerichteten AiR-Förderprogramms parallel zu den bislang bestehenden Strukturen kann die Landeshauptstadt Magdeburg sich einmal mehr als weltoffene, bunte und der Zukunft zugewandte, moderne Stadt präsentieren, in der Genre übergreifendes, künstlerisches Schaffen und kulturelle Aktivitäten einerseits in die Stadt und ihre Gesellschaft wirken. Andererseits kann aus einem international ausgerichteten AiR-Programm eine Strahlkraft nach außen erwachsen, welche die Landeshauptstadt Magdeburg für angehende Residencies und Kunst- und Kulturschaffende attraktiv macht und die Stadt wiederum nachhaltig positiv beeinflussen kann. Mit einem international ausgerichteten Förderprogramm verquicken sich kommunale Kunst- und Kulturarbeit mit (inter-)nationalen Einflüssen. Magdeburg wird auf diese Weise Akteur der nationalen und internationalen Kunst- und Kulturszene. So könnte ein Künstler*innenhaus in Magdeburg durch Ausstellungen, Vorträge und weitere Veranstaltungen in die Gesellschaft wirken, wodurch sich ein vitaler und intensiver Dialog und Austausch zwischen Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und Kunstinteressierten etablieren kann. Diese Bewusstseins- und Identitätsbildung innerhalb der Gesellschaft trägt dann auch zur kulturellen Wertschätzung des Lebensortes bei, die sich anhaltend weiter multipliziert.

      „Freie Szene“ in der Bildenden Kunst

      In Magdeburg haben sich daneben verschiedene Ateliers und Galerien etabliert, die sich sowohl in der Innenstadt als auch im Engpaß Buckau und anderen Stadtteilen, z. B. in leerstehenden Industriegebäuden, befinden. Etabliert haben sich in unregelmäßigen Abständen Kunstfestivals des Vereins Kulturanker e. V1. und die kommerziell erfolgreiche jährliche Kunstmesse „KunstMitte – Mitteldeutsche Messe für zeitgenössische Kunst“2 mit über 100 Galeristen und Künstlergruppen aus der erweiterten Region. Der „bbk – Berufsverband bildender Künstler“ veranstaltet jährlich im September die „Tage der offenen Ateliers“, an dem sich in Magdeburg mehr als ein Dutzend lokal ansässige Künstlerinnen und Künstler beteiligen.
      Das „Forum Gestaltung e. V.“3 in der Brandenburger Straße sieht sich in der Tradition der ehemaligen Kunstgewerbeschule am gleichen Ort und beherbergt den Nachlass von Stefan Wewerka, der auch zu besichtigen ist. Gleichzeitig präsentieren sich in regelmäßigen Abständen Studierende der Hochschule Magdeburg-Stendal aus dem Bereich Design. Zudem werden im Forum auch wechselnde Ausstellungen gezeigt.
      Ausstellungsräumlichkeiten sind vielerorts in der Stadt zu finden – vom Einkaufszentrum über die Bankfiliale bis zum Café. Freiluftgalerien werden gelegentlich in den Sommermonaten initiiert.

      (Ergänzung „Kunst im Öffentlichen Raum“)

      Handlungsempfehlungen:

      • Weiterentwicklung des Kunstmuseums zu einem überregional ausstrahlenden Haus für Kunst der Gegenwart
      • Zielgruppenorientierte Präsentation der Sammlungsbestände
      • Weiterentwicklung des Skulpturenparks
      • Etablierung eines AiR-Förderprogramms neben dem Erhalt der Künstlerateliers in den Tessenowgaragen

      6.2.2 Darstellende Künste

      Die „Darstellenden Künste“ sind in Magdeburg an erster Stelle durch das Theater der Landeshauptstadt (TdL) und das Puppentheater vertreten. Diesen beiden „Eigenbetrieben“ ist ein eigener Abschnitt gewidmet. Dies wird in Kapitel 6.2.9 dargestellt.

      Unabhängig von diesen beiden Theater-Institutionen in der Rechtsform „Städtischer Eigenbetrieb“ hat sich eine lebendige und vielfältige Szene entwickelt, die sich ständig verändert. Eine Auswahl aktueller Gruppen und Akteure veranschaulicht die Landschaft darstellender Künste in Magdeburg.

      Die größte Gruppe in der Theaterlandschaft bildet der Verein Kult e. V. mit den Freien Kammerspielen. Das Ensemble umfasst rund 30 Menschen, die bei den unterschiedlichen Produktionen vor und hinter den Kulissen mitwirken. Spielstätten sind das Forum Gestaltung und die Feuerwache Magdeburg. Kult-Status hat die komödiantische Serie „Olvenstedt probierts“ (Autor: Dirk Heidicke) erreicht. Das Repertoire der Kammerspiele umfasst in der Regel mehr als ein Dutzend Produktionen aller Genres.
      Namen raus
      Aus der Idee zweier Schauspieler hat sich seit 1992 das „Theater an der Angel“ mit Platz für rund 100 Menschen im Saal gebildet. Gespielt werden frohe, komödiantische oder nachdenklich stimmende Stücke, die in der Regel ausverkauft sind. Ein ähnliches Projekt verfolgen „Die Nachtschwärmer“ auf dem Theaterschiff seit 2018 im Dienst der „Weißen Flotte“.

      Das Theater Poetenpack gastiert regelmäßig zumeist mit klassischem Sommertheater und Angeboten für Kinder im Freilichtbereich in Magdeburg und Ostdeutschland.

      Das freie Theater „Kinamo“ wird von einer Tanz- und Theaterpädagogin geleitet und bietet Impuls-Tanz sowie „Mama-Baby-Tanz“ an. Kinder als Zielgruppe hat auch die „Theaterwerkstatt Stine“, die im Moritzhof angesiedelt ist, ebenso wie die „Theatergärtnerei“ mit Angeboten für gehörlose Menschen.
      Die „Compagnie 09“ (cmd-09.de) ist ein Verein, der Theaterprojekte verschiedenster Art – vom anspruchsvollen Historienstück bis zum unterhaltsamen Sommertheater – initiiert. Als Schwerpunkte haben sich Open-Air-Aufführungen in den Sommermonaten entwickelt. Weitere Theatergruppen, wie die Schaubühne, Theaternomaden, „bühnenfrei“, Wohnzimmertheater oder Kulturring, bieten seit vielen Jahren erfolgreiches Amateurtheater an.

      Improvisationstheater oder auch Theatersport erfreuen sich großer Beliebtheit und wechselnder Gruppen: Das Improvisationstheater „Herzsprung“ ist eine kleine Theatergruppe, die ihre Stücke mit groben Umschreibungen vorgibt, aber sich vom Publikum während des Spielens inspirieren lässt. So entwickeln sie spontane Geschichten und Szenen ohne Drehbuch oder Regisseur. Weitere Improvisationsgruppen aus Magdeburg nennen sich „Tapetenwechsel“, „Kammerjäger“ und „Imaginär“.

      In Magdeburg gibt es außerdem verschiedene Akteure, die politisch-satirisches Kabarett bieten:
      • Die „Magdeburger Zwickmühle“ spielt mit einem eigenen Ensemble im Theater in der Leiterstraße un ist im gesamten deutschsprachigen Raum, zum einen durch ihre zahlreichen Gastspiele und Preise und zum anderen durch die Fernsehsendung „Die 3 von der Zankstelle“, bekannt.
      • „Die Kugelblitze“ sind eine Kabarettgruppe, bestehend aus zwei Kabarettisten, die in der Feuerwache und auf dem Theaterschiff der Reederei Süßenbach ihre Stücke präsentieren.
      • Das Kabarett „… nach Hengstmanns“ befindet sich seit 2008 im Breiten Weg in Magdeburg. Die Spielstätte steht auch für Gastspiele und Kabarett-Wettbewerbe zur Verfügung.
      • Lars Johansen präsentiert als Solist sein Programm im soziokulturellen Zentrum „Moritzhof“ und anderen Spielstätten.
      • Eine weitere Spielstätte ist die Festung Mark, wo regelmäßig Kabarettistinnen und Kabarettisten auftreten.
      • Außerdem spielen an unterschiedlichen Orten Lothar Bölck und gelegentlich das Studentenkabarett „Prolästerrat“.
      • An einigen Gymnasien haben sich ebenfalls Kabarettgruppen gebildet, die zumeist jedoch schulintern auftreten.
      • Die Poetry-Slam-Szene unter dem Label „Wortwäsche“ oder „Wortscharmützel“ verbindet Standup-Comedy mit Lesungen und hat sich durch die Aktivitäten des Vereins Halternativ e. V. in Magdeburg (Moritzhof, Oli-Kino und andere Spielstätten) etabliert. Speziell für junge Menschen unter 20 Jahren werden besondere Wettbewerbe angeboten, die sich nach wie vor großer Publikumsresonanz erfreuen. Auf diesem Gebiet gibt es auch neue Ansätze, wie „Science-Slam“ oder „Song-Slams“. Seminare und Workshops vermitteln Interessierten entsprechende Kenntnisse und Techniken (Textgestaltung, Präsentation).

      Die Tanzszene reicht von der Theaterballettschule über private Anbieter (z. B. Movement Dance, Steps-Tanzcenter, Dance Complex) bis hin zum Verein Tanztheater Elbaue e.V. Vielfach wird Tanz für Kinder und Jugendliche auch von Sportvereinen angeboten. Eine der erfolgreichsten Breakdance-Gruppen sind die „Da Rookies“ aus Magdeburg. Diese Formation verbindet die HipHop-Kultur mit klassischer Musik als Klassik-Cross-Over-Produktion (Projekt „Der Nussknacker“). Eine Breitenwirkung und hohe Beteiligungszahlen erreichen die sportlich-kulturell ausgerichteten Tanzclubs Blau-Silber und Rot-Grün mit zusammen etwa 500 Aktiven.

      Neben den Theatern finden sich in der Stadt verschiedene Spielstätten:
      In der Grünen Zitadelle („Hundertwasserhaus“) hat sich das „Theater in der Grünen Zitadelle“ gebildet. Es bietet einen Mix aus Theater, Musik und Comedy. Im Theaterraum ist Platz für bis zu 200 Zuschauer, außerdem finden hier Ausstellungen, Lesungen und Veranstaltungen statt.
      Im Kreativzentrum „Forum Gestaltung“ befindet sich das „Theater im Forum“ mit regelmäßigen Angeboten (Tanz, Jazz, Lesung und Aufführungen).
      Die in Schönebeck beheimatete „MS Marco Polo“ wird unter der Bezeichnung Theaterschiff Magdeburg“ von verschiedenen Ensembles seit 2009 genutzt.
      Regelmäßige kommerzielle Theater-, Tanz- und Showveranstaltungen finden im „Alten Theater“ am Elbauenpark statt.
      Beliebte Freilichtbühnen sind der Möllenvogteigarten am Dom, der Domplatz, die Innenhöfe des Forum Gestaltung, die Seebühne im Elbauenpark und im Kunstmuseum „Kloster Unser lieben Frauen“.
      Neben den soziokulturellen Zentren bieten auch Schulen sowie die Gemeinderäume einiger Kirchengemeinden gute Bedingungen für Kleinkunst und Theater.

      Die theaterpädagogische Arbeit in und an Schulen wird vom Landeszentrum Freies Theater Sachsen-Anhalt e. V. (www.lanze-lsa.de) koordiniert.
      Zum einen lernen Schülerinnen und Schüler freies, professionelles Theater kennen im Projekt „KlaTSch!“ Unter dem Namen: „KLaTSch! – Kulturelles Lernen an Freien Theatern und Schulen“ erhalten die jungen Menschen die Möglichkeit einen Theaterbetrieb der Freien Szene in seiner ganzen Komplexität kennenzulernen. Ein zentraler Aspekt dieser engen Partnerschaft beruht auf der Förderung eines lebendigen Austausches zwischen Schule und den Theaterleuten einer konkreten Bühne.
      Zum anderen gibt es das Projekt „Theater als Schule des Sehens“. TASS. ermöglicht Aufführungen mobiler Kindertheaterinszenierungen der Freien Theater an Grund- und Förderschulen.
      Das Landeszentrum bietet auch die Schultheatertage sowie Fortbildungen für Lehrkräfte an.

      Die Kulturverwaltung unterstützt die Kooperation und Vernetzung der freien Theaterszene auf verschiedenen Ebenen. Die städtischen Eigenbetriebe beraten die freien Gruppen bei Bedarf und stellen nicht benötigte Requisite, Technik und Know-How bereit. TdL und Puppentheater betrachten die „Freie Szene“ nicht als Konkurrenz, sondern als Bereicherung. Gegenseitige Informationen über geplante Projekte und Termine helfen, Überschneidungen zu vermeiden.
      Den Akteuren der Freien Szene wird über den Dachverband Landeszentrum Freier Theater Austausch und Fortbildung ermöglicht. Die Fachkräfte des Landeszentrums beraten die Kulturverwaltung bei der Beurteilung von Fördermittelanträgen aus der Theaterszene.

      Handlungsempfehlungen:
      – Unterstützung und Förderung der professionellen freien Theater in Zusammenarbeit mit dem
      Landesverband;
      – Unterstützung, Fortbildung und Förderung der Amateurtheater sowie der Schultheaterszene;
      – Vermittlung von Proben-Räumen, Requisiten, fachlicher Beratung und Technik durch LanZe e.V. wird
      unterstützt.
      – Information und Öffentlichkeitsarbeit für die freie Theaterszene wird durch die Landeshauptstadt
      unterstützt;
      – Öffnung der freien Theatergruppen für Menschen mit Migrationshintergrund;
      – Inklusive Angebote der Theater werden unterstützt und gefördert.

      6.2.3 Kreative Allianzen

      Der Begriff „Kreative Allianzen“ ist 2006 vom Kulturpolitiker Oliver Scheytt geprägt worden, um eine neue gesellschaftlich engagierte Kulturpolitik zu beschreiben, die nicht allein auf staatliche oder kommunale Prozesse orientiert ist. Diese Allianzen stehen für Kooperation und Mittelakquise abseits staatlicher Alimentation.
      Der in dieser Kulturstrategie verwendete Kulturbegriff bezieht Wissenschaft, Hochschule und Religionen ein.

      Hochschulen und Wissenschaft
      Für Kulturpolitik als gemeinschaftsstiftende Aufgabe bedeutet dies, dass die Otto-von-Guericke-Universität ebenso wie die Hochschule Magdeburg-Stendal als integrale Bestandteile des kulturellen Lebens Magdeburgs betrachtet werden.
      Insbesondere die Studierenden entwickeln inzwischen mit ihren Projekten eine Wirkung, die erheblich zur Entwicklung eines urbanen Lebens beiträgt. Aufgrund ihrer akademischen Vorbildung und ihrer „Außenposition“ einerseits, ihrer kulturellen Interessen und ihrer Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement andererseits setzen sie vielfach spannende Diskurse in Gang, die vor allem für die Stadtentwicklung impulsgebend wirken. Die kulturellen Einrichtungen und Institutionen der Hochschulen (vom Chor bis zur Bibliothek) sind vielfach auch von der Stadtöffentlichkeit geschätzte und genutzte kulturelle Bausteine. Umgekehrt stehen die städtischen Einrichtungen auch spezifischen Interessen der Studierenden und Hochschul-Mitarbeitenden zur Verfügung.

      Aber auch die akademische Lehre, die Arbeit der Forschungseinrichtungen prägen zumindest mittelbar das kulturelle Klima in der Stadt. Die Bewerbung Magdeburgs um den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2025“ hat hier für mögliche Kooperationen zwischen Kunst und Wissenschaft wichtige Akzente gesetzt, die nachhaltig genutzt werden können.

      Die ausländischen Studierenden (z. B. aus Indien, China, Jordanien, Syrien) beteiligen sich mit eigenen Initiativen und Vereinen am kulturellen Leben und sind eingeladen, die kulturelle Szene in Magdeburg zu beleben und zu bereichern.

      Veranstaltungen wie die „Lange Nacht der Wissenschaft“ mit kulturellem Rahmenprogramm oder die Kooperation zwischen dem Studiengang Industrial Design mit dem Forum Gestaltung e. V. sind Beispiele einer erfolgreichen Zusammenarbeit.
      Eine Besonderheit ist der Bachelorstudiengang Cultural Engineering an der Otto-von-Guericke-Universität. Das teils englischsprachige interdisziplinäre Programm hat einen kulturwissenschaftlichen Schwerpunkt und bietet Vertiefungsmöglichkeiten in Logistik, Wirtschaft und Informatik. Es eröffnet vielseitig interessierten und engagierten Studierenden die Möglichkeit, gesellschaftliche Phänomene aus unterschiedlichen Fachperspektiven wahrzunehmen und wissenschaftlich zu betrachten. Vielfältige Projekte und Praktika, z. b. durch den Verein „Kultur auf neuem Terrain erleben – KanTe e. V.“, sind für die Stadtgesellschaft entstanden. Etliche Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs haben sich als Kulturschaffende in der Freien Szene in Magdeburg engagiert.

      Handlungsempfehlung:
      Zwischen den Hochschulen und den Kulturinstitutionen sollen regelmäßige Konsultationen auf verschiedenen Ebenen eingerichtet werden, um Kooperationen zu erörtern und Vorhaben abzustimmen.

      Religionsgemeinschaften
      Kreative Allianzen bieten in der Landeshauptstadt Magdeburg auch die Religionsgemeinschaften an. Evangelische, katholische, freikirchliche und orthodoxe Gemeinden haben unterschiedliche kulturelle Profile. Mitmach-Angebote gibt es vielfältiger Art im Musikbereich (Magdeburger Domchöre, Singschule, Mottetenchor, Kantatenchor, Dombläser, Posaunenchöre usw.), in der kulturellen Bildung und für verschiedene Zielgruppen (Kinder, Jugendliche, Frauen, Senioren, Zugewanderte und Menschen mit Fluchterfahrung). Pauluskirche, Hoffnungsgemeinde und Dom sind als Konzertkirchen ausgewiesen. Großes Publikumsinteresse erreichen die Konzertangebote außerhalb der Gottesdienste, insbesondere die Konzertreihe „Orgelpunkt“ im Magdeburger Dom.

      Ergänzend zum bestehenden Lothar-Kreyssig-Ökumene-Zentrum, das auch kulturelle Bildung anbietet, entstehen die Ökumenischen Höfe zwischen Walloner- und Petri-Kirche. Die Mönche des Prämonstratenser-Ordens werden ein geistliches und weltliches Angebot für die Stadtgesellschaft entwickeln, welches sich in der Innenstadt für katholische und evangelische Gemeinden auch der Kulturvermittlung widmen wird. An das kulturelle Erbe Norberts von Xanten, Magdeburger Erzbischof aus dem 12. Jahrhundert und Gründer des Prämonstratenser-Ordens. werden die Ökumenischen Höfe ebenso erinnern.
      Als wichtiger kirchlich orientierte Anbieter im Bereich „Kulturelle Bildung“ hat sich der Sunrise e.V. mit dem Projekt „Villa Wertvoll“ etabliert. Jugendliche und Kinder ab 3 Jahren können im Stadtteil Neue Neustadt ihre künstlerischen Fähigkeiten entdecken, entfalten und weiter entwickeln.

      Zuwanderung und Migration haben die religiöse Landschaft Magdeburgs in den letzten Jahren verändert und bereichert. Eine interkulturelle und weltoffene Kulturstrategie trägt dazu bei, den unterschiedlichen Kirchen und Religionsgemeinschaften eine Heimat zu geben und ihr Wirken bekannt zu machen.
      Die jüdischen Gemeinden und Verbände führen jährlich im Herbst gemeinsam mit dem Forum Gestaltung e. V. die „Tage der jüdischen Geschichte und Kultur“ durch. Hier präsentieren sich in einer kreativen Allianz Chöre, Musikgruppen und Künstlerinnen und Künstler aus der Region zu Themenfeldern aus der jüdischen Welt. Der bevorstehende Bau der neuen Synagoge in der Magdeburger Innenstadt bietet der jüdischen Gemeinschaft neue Räumlichkeiten für ein erweitertes Gemeindeleben.
      Buddhistische und islamische Traditionen präsentieren sich der Öffentlichkeit in Magdeburg regelmäßig im Rahmen von Feiertagen. So gibt es kulturelle Events mit Tanz, Musik, Theater und Esskultur zum chinesischen und vietnamesischen Neujahrs- bzw. Frühlingsfest; auch das kurdische oder iranische Neujahr („Nouruz“) werden mit größeren öffentlichen Feiern begangen, bei denen Musik- und Tanzgruppen auftreten. Auch andere Kulturformen wie Kalligrafie oder Schattentheater bieten Initiativen aus der zugewanderten Bevölkerungsgruppe an. Migrantische Gruppen organisieren sich häufig über kulturelle und/oder religiöse Themen. Das „einewelt“-Haus – getragen von der Auslandsgesellschaft e. V. – bietet ebenso wie das Forum Gestaltung (Projekt „House of Ressources“) und die soziokulturellen Einrichtungen in der Stadt Räumlichkeiten und Unterstützung an.

      Im Rahmen der zukünftigen Kulturpolitik und -strategie werden seitens der Kulturverwaltung regelmäßige Gespräche zwischen entsprechenden Vertreter*innen der Hochschulen und der Religionsgemeinschaften geführt, um sich gegenseitig über die geplanten Maßnahmen und Veranstaltungen zu informieren. Eine Verständigung über Termine, Räumlichkeiten, Finanzen und Höhepunkte helfen den kreativen Allianzen bei der Umsetzung ihrer jeweiligen Anliegen.

      Handlungsempfehlung
      Für die Verständigung zwischen den Religionsgemeinschaften und der Integration in der Stadtgesellschaft müssen noch mehr Anstrengungen unternommen und neue Formate entwickelt werden.

      6.2.4 Kulturelles Erbe und Stadtgeschichte

      Um die Zukunft zu bauen, muss die Magdeburger Stadtgeschichte als lebendiger Erfahrungsschatz in konkreten Bezügen vor Ort sichtbar bleiben und als kulturelle Ressource aktivierbar werden. Doch das heutige Magdeburg kann so vieles nicht mehr erzählen, ist gezeichnet von Leerstellen und Wunden. Von der Großstadt der Renaissance blieb kein einziges Bürgerhaus erhalten. Die Pfarrkirchen, in denen seit 1524 die Reformation gepredigt wurde, gibt es nicht mehr, ebenso wenig die Synagoge. Sogar das schriftliche Gedächtnis weist schmerzhafte Lücken auf. Für ganze Epochen sind die einst reichen Bestände von Stadtarchiv und Stadtbibliothek verloren. Nicht zuletzt fehlen die Menschen, die Träger von Erinnerung sein könnten. Krieg und Gewaltherrschaft haben ebenso Lücken gerissen wie die Abwanderung nach 1945 und 1989.

      Wo Menschen, authentische Stätten, ja sogar historisches Wissen fehlen, ist Erinnerung nicht mehr selbstverständlich. Der Gesprächsfluss zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gerät ins Stocken. Doch Magdeburg bleibt eine europäische Stadt, überreich an Erfahrungen, Lebensmustern und Identitäten. Tabula rasa ist keine Option. Der Wunsch nach Auseinandersetzung mit der Stadtgeschichte ist allerorten zu spüren und äußert sich auch zivilgesellschaftlich in einer sehr breit aufgestellten Struktur von Geschichtsvereinen, der gerade ein Generationswechsel bevorsteht.
      Im Umgang mit dem historischen Erbe ist dabei Kreativität gefragt. Schon heute wertet das Experimentieren mit neuen Formen der Erinnerungskultur den Stadtraum auf. Stolpersteine erinnern an jüdische Bürger, aber sie zeichnen auch die längst überbauten Straßenverläufe einst dicht besiedelter Altstadtviertel nach. Sie sind Ergebnis einen breiten Erinnerungsarbeit von Schülern und Jugendlichen, die die Würde des Einzelschicksals in den Mittelpunkt rückt. In Bronze gegossene Kirchenmodelle, am historischen Standort errichtet, lassen zwischen den Einkaufstempeln der City eine tausendjährige Sakraltopographie hervorscheinen. Das wiedererrichtete Portal der Katharinenkirche ist weit geöffnet, auch wenn es nicht mehr zum Seelenheil führt. An Hausfassaden des 21. Jahrhundert künden barocke Hauszeichen und Inschriften von der historischen Textur der hanseatischen Bürgerstadt.
      Der leise murmelnde Duktus, die leicht übersehbare Signatur dieser immateriellen Erinnerungskultur setzt gerade in der hektischen Großstadt auf den Menschen als Akteur einer Spurensuche. Die reiche Magdeburger Vergangenheit will bewusst erfragt, will in einem kreativen Prozess der Aneignung aktiv entdeckt werden. Doch bergen erinnerungskulturelle Akzentsetzungen im öffentlichen Raum auch Konfliktpotential, gerade wenn der historische Überrest, etwa ein Baudenkmal, nicht mehr unmittelbar verfügbar ist. Dann muss sich die Stadtgesellschaft über die Sichtbarmachung der verschiedenen Zeitschichten im Stadtbild verständigen.

      Konsens herrscht darüber, dass historisches Erbe und Identität in besonderen Formen der Erinnerungskultur präsent gehalten werden müssen. Dies gilt gerade für das Gedenken an Krieg, Zerstörung und Gewaltherrschaft und für die längst nicht abgeschlossene Aufarbeitung. Die Erinnerung an Leid und Verlust, auch an eigene Schuld und gesellschaftliches Versagen, braucht einen herausgehobenen Ort, darf nicht aus falsch verstandenem Zukunftsstreben verdrängt oder tabuisiert werden. Eine in Raum und Zeit verortete Erinnerungskultur ist deshalb nicht Widerpart, sondern Gegenstück einer zukunftsorientierten Entwicklung. Vorwärtsstreben und Lebenswille kann angesichts vieler entwicklungsfähiger Möglichkeitsräume gerade im Stadtzentrum davon nur profitieren. Dies gilt für erhaltene und im Rahmen der Denkmalpflege weiter zu bewahrende Bauzeugen – vom Magdeburger Dom bis zu den Denkmalen der Industriearchitektur – für Gedenkorte wie die Gedenkstätte Moritzplatz oder das Mahnmal am KZ-Außenlager Magda und für die Museen, Archive und Bibliotheken, die gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Initiativen, Vereinen und Communities wesentliche Träger der Erinnerungskultur sind.

      Unter den Erinnerungsspeichern des historischen Erbes der Stadt kann die bereits 1525 gegründete Stadtbibliothek auf die älteste Tradition zurückblicken und 2025 ihr 500-jähriges Bestehen feiern, während das einst berühmte Archiv des Schöffenstuhls und das Archiv des Rats der mittelalterlichen Großstadt bereits im Dreißigjährigen Krieg 1631 unwiederbringlich verloren gegangen sind. Bürgerschaftliches Engagement und Vereinstätigkeit ließen im 19. Jahrhundert in Magdeburg, das an keine frühere fürstliche oder städtische Sammlungstätigkeit anknüpfen konnte, erste naturkundliche Sammlungen sowie Kunst- und Kunstgewerbesammlungen entstehen, aus denen zunächst das Museum für Naturkunde und das Kaiser-Friedrich-Museum Magdeburg, das heutige Kulturhistorische Museum hervorgingen, deren Sammlungen im Zweiten Weltkrieg erhebliche Verluste erfuhren. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts fächerte sich die Museumslandschaft Magdeburgs weiter auf. Im ehemaligen Kloster Unser Lieben Frauen entstand ein eigenständiges Kunstmuseum, das von 1976 bis 1989 die Funktion einer Nationalen Sammlung für Kleinplastik der DDR hatte. In der 1871 errichteten Gießereihalle der ehemaligen Gruson-Werke wurde 1995 ein Technikmuseum eingerichtet, um die Geschichte Magdeburgs als Industriestandort mit einem Schwerpunkt im Maschinenbau zu bewahren. Nachdem es 2006 in die freie Trägerschaft des Kuratoriums Industriekultur e.V. übergeben worden war, wurde es 2019 in die städtische Trägerschaft zurückgeführt. Es soll in den kommenden Jahren saniert und mit einer modernen Dauerausstellung ausgestattet werden, erweitert um eine Besucher-Akademie und zahlreiche partizipative Angebote für Technikinteressierte, Kreative und Forscher. Mit dem Dommuseum Ottonianum Magdeburg kam 2018 ein gemeinsam von der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie und der Landeshauptstadt Magdeburg verantwortetes Museum hinzu, das als Themenmuseum die Zeit Ottos des Großen, die Großbauten auf dem Domplatz und das Erzbistum Magdeburg im Mittelalter darstellt. Mit dem Dommuseum Ottonianum Magdeburg, dem Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen sowie dem Zweispartenhaus mit Kulturhistorischem Museum und Museum für Naturkunde verfügt die Landeshauptstadt Magdeburg inzwischen über ein verdichtetes Museumsquartier rund um den Magdeburger Dom. Neben den städtisch oder mit städtischer Beteiligung betriebenen Museen bereichern das Friseurmuseum und das Cirkusmuseum als Museen in privater Trägerschaft die Magdeburger Museumslandschaft.

      Die Entstehung der Museumssammlungen war ebenso von wissenschaftlichem Forschungsinteresse geleitet wie von der Frage, wo man in der Kunst, im Gewerbe aber auch in Bezug auf die unmittelbare Umwelt, in der Geschichte und in der Welt stehe. Es sind Fragen, die uns auch heute noch beschäftigen, und die Museen als Erinnerungs- und Wissensspeicher ebenso wie durch ihre Ausstellungen und Veranstaltungen als Bildungs- und Freizeitangebote für Besucher*innen von nah und fern zu unverzichtbaren Kultureinrichtungen einer Stadt machen. Sammeln, bewahren, erforschen und vermitteln sind auch zukünftig die Kernaufgaben der Museen, die sie idealerweise mit professionellem Fachpersonal, in wissenschaftlichen Kooperationen und unter Einbeziehung interessierter Ehrenamtlicher Mitarbeiter*innen erfüllen, die sich traditionell in Freundes- und Fördervereinen zusammenschließen. Doch eine zunehmend diversere Gesellschaft in einer globalisierten Welt erfordert auch von den Museen eine Ausrichtung auf diese Anforderungen, um sie zukunftsfähig zu machen.

      Eine größere Öffnung zur Stadtgesellschaft kann durch die Fortentwicklung der Öffentlichkeitsarbeit und der Vermittlungsangebote zu einem kuratierten „audience development“ erzielt werden, das Schwellenängste bildungsfernerer sozialer Gruppen abbaut und heterogene „communities“ gezielt anspricht. Die Museen verstehen sich als wichtige Orte der kulturellen Früherziehung sowie des außerschulischen und des lebenslangen Lernens. Sie spielen wie ganz ähnlich die Stadtbibliothek eine wichtige Rolle für die kulturelle Teilhabe. Die Fortentwicklung von Barrierefreiheit und integrativen Angeboten sind ein wichtiger Schritt, um dieses Ziel zu erreichen, und als „dritte Orte“ das Zusammenkommen und den Austausch über Fragen, die die Gesellschaft aktuell bewegen, zu fördern. Das Zweispartenhaus mit Kulturhistorischem Museum und Museum für Naturkunde hat hierbei ein großes Potenzial bei Fragen zu den Interdependenzen von Natur und Kultur, wie sie sich im Anthropozän mit zunehmender Dringlichkeit stellen. Das Technikmuseum wird die Frage nach dem Verhältnis von Arbeit und Mensch nicht allein an die Vergangenheit stellen, sondern auch in die Zukunft richten und das Kunstmuseum präsentiert aktuelle künstlerische Positionen in der Auseinandersetzung mit dem hier und jetzt.
      In heutiger Zeit stehen die Museen – ebenso wie Bibliotheken und Archive – außerdem vor der Herausforderung, digitale Gesamtstrategien zu entwickeln, die sämtliche Arbeitsbereiche von der Erschließung der Sammlungen bis zu den Vermittlungsangeboten und der Öffentlichkeitsarbeit umfassen. Digitale Recherchetools ermöglichen die weltweite Zugänglichkeit der Bestände und wirken nicht allein für die Einrichtungen, sondern auch für die Stadt imagebildend. Doch auch das Sammlungsgut selbst erfordert in den kommenden Jahren besondere Aufmerksamkeit. Während die Sanierung der Museumsbauten des Zweispartenhauses sowie im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen weit fortgeschritten und die Vorplanungen für die Sanierung und den Ausbau des Technikmuseums auf den Weg gebracht worden sind, ist eine adäquate und musealen Standards genügende Magazinierung des von den Museen bewahrten Kulturguts eine für viele Sammlungen noch nicht zufriedenstellend gelöste Aufgabe. Hier gilt es in den kommenden Jahren eine langfristige, nachhaltige, energieeffiziente, den konservatorischen Anforderungen entsprechende, sichere und möglicherweise gemeinsame Lösung für die Museen der Landeshauptstadt zu finden, um dieses Kulturgut auch für kommende Generationen zu bewahren. Auch in der Stadtbibliothek müssen konservatorische Bedingungen geschaffen werden, die die wertvollen historischen Bestände des Hauses als Teil des historischen Gedächtnisses der Stadt bewahren.
      Die Museen, aber auch das Forum Gestaltung, das Literaturhaus und die Stadtbibliothek werden auch in den kommenden Jahren durch ihre Ausstellungen und begleitende wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Vorträge das kulturelle Erbe der Stadt und die Stadtgeschichte im europäischen und globalen Kontext erschließen und Einheimischen wie Besuchern der Stadt die Auseinandersetzung mit dieser ermöglichen. Sie greifen dabei immer wieder auf das Speichergedächtnis und die historische Fachkompetenz der Archive zurück.

      Tatsächlich ist Magdeburg der wichtigste Archivstandort in Sachsen-Anhalt. Landesarchiv und Landtagsarchiv verwahren hier das kulturelle Erbe des Bundeslandes beginnend mit Urkunden aus der Ottonenzeit. Aber auch das Archiv der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, das Bistumsarchiv Magdeburg, das regionale Stasiunterlagenarchiv und weitere Einrichtungen haben hier ihren Sitz. Die Kooperation zwischen den Archiven wird großgeschrieben. Der 2009 begründete Notfallverbund Magdeburger Archive war die erste Organisation seiner Art in Deutschland und hat sich 2019 um Museen und Bibliotheken erweitert.
      Das Stadtarchiv Magdeburg ist mit einem Bestand von mehr als 9.000 laufende Metern Archivgut das Gedächtnis der Stadt. Trotz schwerster Kulturgutverluste 1631 und 1945 bleibt es für Forschung, Öffentlichkeit und Verwaltung ein zentraler Informationsdienstleister. Durch seine Arbeit werden Quellen zur Geschichte der Stadt nach modernen archivwissenschaftlichen Grundsätzen dauerhaft und rechtssicher aufbewahrt, sinnvoll strukturiert und öffentlich zugänglich gemacht. Bei der anstehenden Erweiterung der Magazinkapazitäten sollten umweltfreundliche, energieeffiziente und technikarme Lösungen bevorzugt werden, die dem Risikoprofil des Archivguts entsprechen und Folgekosten minimieren. Dies dient zusammen mit der elektronischen Archivierung von genuin digitalen Daten aus der Stadtverwaltung in einem Digitalen Magazin dem Ziel, das Gedächtnis der Stadt um die Erinnerung der heute Lebenden zu ergänzen.
      Den digitalen Wandel nutzt das Stadtarchiv als Chance, um zeitgemäße Onlineangebote weiter auszubauen. Auf eigenen wie auch auf überregionalen Spartenportalen wird Archivgut für die digitale Nutzung aufbereitet. Aber auch das Angebot im Lesesaal vor Ort ist durch Digitalisierung on demand benutzerfreundlich und orginalschonend fortzuschreiben. Diesen zunehmend nachgefragten Dienstleistungen kommt z. B. im Falle der Bauakten eine weit über den Kulturbereich hinausreichende Bedeutung für eine dynamische Stadtentwicklung zu. Lesesaal und Öffentlichkeitsbereich müssen sich dabei den vielfältigen Anforderungen eines Lernorts für die Stadtgeschichte flexibel anpassen können.
      Die Förderung der stadtgeschichtlichen Forschung wird von dem Selbstverständnis getragen, historisches Erbe und Identität als Ankerpunkte für eine weltoffene Entwicklung der Stadt im europäischen Kontext historisch-kritisch zu reflektieren. Partizipative Projekte, Tagungen, Vortragsreihen und Publikationen auf wissenschaftlichem Niveau und in überregionaler Kooperation sollen die Erforschung der Stadtgeschichte voranbringen und die Ergebnisse an eine breite Öffentlichkeit vermitteln.
      Die historische Bildungsarbeit im Stadtarchiv stellt die Begegnung mit authentischen Quellen in den Mittelpunkt. Dabei werden vielfältige Zielgruppen aller Lebensalter angesprochen. Die Auseinandersetzung mit archivalischen Zeugnissen bietet ihnen die Chance, historische Zusammenhänge in ergebnisoffenen Erkenntnisprozessen eigenständig zu erkunden. Aus der Vielfalt der Formate sind projektorientierte Schülerarbeit (Archiv als außerschulischer Lernort), themenbezogene Archivführungen sowie universitäre Seminare hervorzuheben.
      Die Stadtbibliothek pflegt die Erinnerung an die Geschichte der Stadt im nationalen und internationalen Kontext fortlaufend schwerpunktmäßig in Form von publikumswirksamen Veranstaltungen wie Lesungen und Podien sowie Ausstellungen in Kooperation mit Kultur- und Bildungspartnern, die auf lokaler, aber auch nationaler und internationaler Ebene tätig sind. Ferner bietet der umfassende Medienbestand Informationen zur Geschichte und Geschichtskultur.
      Schon heute kooperieren im Fachbereich „Stadtgeschichte und Historische Sammlungen“ die Partner Stadtbibliothek, Stadtarchiv, Magdeburger Museen und das neue Technikmuseum auf vielfältige Weise. Spartenspezifische Fachkompetenz und die gemeinsame Lösung übergreifender Querschnittsaufgaben wie etwa der Erwerbungspolitik gehen Hand in Hand. Für die zeitgemäße Vermittlung dürfte die gemeinsamen Gestaltung von Onlineangeboten weiter an Bedeutung gewinnen.
      Bei der Kernaufgabe der Erforschung von Stadtgeschichte und ihrer Vermittlung im Rahmen der kulturellen Bildung haben erfolgreiche Kooperationen zum Reformationsjubiläum 2017 und zum Bauhausjubiläum 2019 die Zusammenarbeit verstetigt. Formate wie gemeinsame Tagungen, gemeinsame Vortragsreihen und die gemeinsame Schriftenreihe sind fest etabliert. Wachsende Bedeutung kommt angesichts der Schließung des Faches Geschichte an der Otto-von-Guericke-Universität der Gewinnung von überregionalen und internationalen Partnern mit Forschungskompetenz zu.
      Als Zentrum des europäischen Buchdrucks seit dem 16. Jh. hat Magdeburg zahlreiche historische Drucke hervorgebracht, die in Bibliotheks-, Museums- und Archivbeständen vertreten sind. Eine Bündelung der fachwissenschaftlichen Betreuung bei der Stadtbibliothek würde helfen, dieses besondere Potential zu heben. Auf den besonders ressourcenintensiven Aufgabenfeldern Notfallvorsorge und Bestandserhaltung sind die Weichen für eine stärkere Zusammenarbeit durch die Erweiterung des Magdeburger Notfallverbunds gestellt. Kompetenzen in der Papierrestaurierung sollen nach dem Vorbild Braunschweigs in einer gemeinsamen Restaurierungswerkstatt gebündelt werden.

      Auch in der freien Kulturszene haben sich im Rahmen von zahlreichen lokalen Vereinen die Themenfelder des kulturellen Erbes um die Stadt- und Stadtteilgeschichte entwickelt. Die Palette reicht von der Pflege der niederdeutschen Sprache, des immateriellen Kulturerbes („Flößerei auf der Elbe“) bis hin zu Geschichtsprojekten im Rahmen „Zeitreisemanufaktur“, in denen sich junge Menschen mit der DDR-Zeit und der NS-Diktatur vor Ort beschäftigen. Das vielfältige Engagement von Ehrenamtlichen und Laien wird hauptsächlich vom Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e. V. koordiniert und gefördert.

      Handlungsempfehlungen:
      – Auskömmliche Finanzierung und Unterstützung der Stadtbibliothek, des Stadtarchivs und der kommunalen Museen;
      – Entwicklung einer digitalen Gesamtstrategie
      – Fortentwicklung der Öffentlichkeitsarbeit und der Vermittlungsangebote
      – Sanierung des Technikmuseums mit Schaffung einer Besucher*innen-Akademie
      – Aufbau einer energieeffizienten und nachhaltigen Magazinierung
      – Beratung und Unterstützung der freien Geschichts- und Heimatszene durch die städtischen
      Einrichtungen;
      – Förderung stadtgeschichtlicher Forschung durch Projekte, Tagungen und Publikationen
      – Öffnung auf allen Ebenen der kommunalen Einrichtungen für beeinträchtigte Menschen (Inklusion).

      6.2.5 Kultur- und Kreativwirtschaft

      In der „Kulturcharta Magdeburg 2020“ für die Landeshauptstadt Magdeburg hat die Kultur- und Kreativwirtschaft keine besondere Rolle gespielt, obwohl wirtschaftliche Aspekte nicht außer Acht gelassen worden sind.
      Im vergangenen Jahrzehnt hat sie sich kontinuierlich entwickelt. Die wichtigsten Kennzahlen für Anzahl der Beschäftigten (fast 6 Prozent aller Angestellten) und Umsatz (rund 300 Millionen pro Jahr) liegen in Magdeburg deutlich über dem Bundesdurchschnitt. So gab es 2019 etwa 500 Unternehmen und Selbstständige sowie knapp 5.000 abhängig Beschäftigte in kreativ-kulturellen Branchen.

      Eine innovative Kreativszene („Creative Industry“, „Creative Economies“) in Magdeburg kann als Metakompetenz für Projektentwicklungen in vielen Branchen dienen, zugleich sind Kreativszene und
      -wirtschaft Kompetenz- und Ermutigungsfaktoren für erfolgreiches und innovatives Unternehmertum.

      Zu den wichtigsten Trägern der Kultur- und Kreativwirtschaft zählt diejenige Gruppe der Künstler*innen und Kreativen, die als „Soloselbständige“ (Schauspieler*innen, Musiker*innen, Künstler*innen) aktiv sind. Sie machen rund 20 Prozent der Kultur- und Kreativwirtschaft aus. Zur Gruppe der künstlerischen und kreativen Aktivitäten zählen im Kern die darstellenden Künstler (Schauspieler*innen, Film-, Rundfunkkünstler*innen etc.) die Musiker*innen, die bildenden Künstler*innen, die Schriftsteller*innen, die Journalist*innen und die zugehörigen Betriebe und Unternehmen der darstellenden Kunst (Private Theaterveranstalter*innen etc.)

      Von den ausgewählten Teilbranchen bilden die Inhaber*innen von Werbebüros und –Agenturen die
      zweitstärkste Gruppe. Rund 18 Prozent der Kreativen können damit fast 1.000
      Menschen beschäftigen. Die Designbüros bilden die drittstärkste Gruppe der Kultur- und Kreativwirtschaft, das sind vor allem (Web-)Designer und Fotografen. Im Durchschnitt sind in den Werbeagenturen und Designbüros jeweil zwei bis drei Menschen angestellt.
      Die höchsten Umsätze erzielen jedoch in der Kultur- und Kreativwirtschaft, die
      Software / Games, die Architekten und die Mediengruppe mit den Verlagen, Film- und Musikunternehmen. Im Medienbereich (durchschnittlich elf Angestellte pro Betrieb) wird ein Viertel des gesamten Umsatzes der Kultur- und Kreativwirtschaft erwirtschaftet.

      Insgesamt bilden diese Teilgruppen das Rückgrat der Kultur- und Kreativwirtschaft. Gemeinsam stellen und erwirtschaften sie zwei Drittel des Kreativbereichs.4

      Die Magdeburger Hochschulen können mit fachspezifischen Studiengängen im Kreativbereich aufwarten:

      Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
      • Computervisualistik
      • Cultural Engineering
      • Integrated Design Engineering
      Hochschule-Magdeburg Stendal
      • Industrial Design, Bachelor
      • Interaction Design, Master
      • Engeneering Design, Master
      • Cross Media

      Aufgabe einer Kulturstrategie für die 2020er Jahre in der Landeshauptstadt Magdeburg ist es, der Kultur- und Kreativwirtschaft verstärkte ressortübergreifende Aufmerksamkeit zu widmen. Kultur- und Wirtschaftsdezernat sollen diesem Feld besondere Wertschätzung entgegenbringen. Wichtige Schritte sind es, die bestehenden Netzwerke zu stärken und zu erweitern. Die Kreativsalons sind dazu gute Ansätze. Die Kommune muss dazu mit den Akteuren gemeinsame Schritte entwickeln. Ansprechpartner sind in erster Linie der Dachverband KWSA Kreativwirtschaft Sachsen-Anhalt e. V. , das MMZ Mitteldeutsches Multimediazentrum, der Verband der IT- und Multimediaindustrie Sachsen-Anhalt e. V., das Rationalisierungs- und Innovationszentrum Sachsen-Anhalt, die Industrie- und Handelskammer sowie die Handwerkskammer.

      Die Anerkennung der Bedeutung der Kultur- und Kreativwirtschaft ist ein wichtiger Schritt, diesen Bereich zu stärken. Das Forum Gestaltung in der Brandenburger Straße in der Magdeburger Innenstadt kann hier als Modellstandort für die Kultur- und Kreativwirtschaft dienen. Hier können Meetings, Beratungstermin, Ausstellungen und Workshops stattfinden. Die verschiedenen vorhandenen Gründer- und Innovationszentren sollten sich hier präsentieren können. Ebenso kann hier der Ort sein, wo sich die Branche austauscht.

      Mittelfristig wird daher ein durch die Fachverbände selbstverwaltetes Kompetenzzentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft in der Innenstadt als Koordinierungsstelle benötigt, das gemeinsam vom Land Sachsen-Anhalt und der Landeshauptstadt gefördert wird. Die Aufgabe eines derartigen Kompetenzzentrums ist es, „Creative Economies“ sichtbar zu machen, ihre interdisziplinären Kompetenzen für Kultur, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik zu vermitteln und gemeinsam mit den Akteur*innen Lösungsansätze für branchenspezifische Herausforderungen zu entwickeln. Ziel sollte es sein, Entwicklungen frühzeitig zu identifizieren, die Innovationsdynamik insbesondere im Bereich der nicht-technischen Innovation zu steigern und gemeinsam mit dem Netzwerk Lösungsoptionen für Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft aufzuzeigen.

      Zudem sollen individuelle Unterstützung der Akteur*innen nach Beratung, Bürokratieabbau und Räumlichkeiten die Bedarfe der Kreativwirtschaft ergänzen. Diese „Orte der Zukunft“ (Ateliers, Probenräume, Co-Working-Spaces, temporär nutzbare Räume „Pop-Up-Stores“) können Innovationen ermöglichen und kreative Menschen nach Magdeburg anlocken.

      Handlungsempfehlungen
      – Unterstützung von Gründerinitiativen im Kultur- und Kreativbereich;
      – Abstimmung zwischen Kultur- und Wirtschaftsdezernat über Zusammenarbeit mit der Kultur- und Kreativwirtschaft;
      – Regelmäßige Konsultationen mit Verbänden und Strukturen der Kreativwirtschaft;
      – Vernetzung der kommunalen Kulturinstitutionen mit der örtlichen Kreativwirtschaft.

      6.2.6 Literatur

      Die Magdeburger Literaturszene verbindet Schreibende und Lesende in verschiedenen Vereinen, Arbeitsgemeinschaften, Initiativen und Orten.

      Wichtiges Zentrum ist das Literaturhaus, Thiemstraße 7, im Magdeburger Stadtteil Buckau. Dieses Geburtshaus des Dichters Erich Weinert hat in den vergangenen 60 Jahren verschiedene Profile und Funktionen erlebt. Seit 2005 befindet es sich in der Trägerschaft des Literaturhaus Magdeburg e. V. und widmet sich der Präsentation von Literatur in musealer Aufbereitung (Weinert, Georg Kaiser, Immermann) sowie in aktuellen Ausstellungen und Veranstaltungen. Zehn literarische Vereine und Arbeitsgemeinschaften haben im Literaturhaus ihren Sitz, eine intensive Zusammenarbeit in Bildungskontexten mit anderen Einrichtungen ist damit eine gegebene Entwicklung. Höhepunkte sind die jährlichen „Magdeburger Literaturwochen“, in denen stadtweit verschiedene Akteure und Veranstaltungsräume eingebunden werden.

      Die Literaturzeitschriften „Die Schreibkräfte“ (herausgegeben von der gleichnamigen Autorengruppe) und „Ort der Augen“ (im Dr. Ziethen-Verlag) spiegeln die aktuellen literarischen Entwicklungen in der Landeshauptstadt.

      Seit 2013 vergibt die Stadt Magdeburg ein jährliches Literaturstipendium verbunden mit einer exklusiven mietkostenfreien Wohnung an zeitgenössische Autor*innen, die in der Stadt verschiedene Auftrittsmöglichkeiten angeboten bekommen. Der vom Land Sachsen-Anhalt in Magdeburg verliehene Georg-Kaiser-Preis wurde 2014 eingestellt und durch den Klopstock-Literaturpreis abgelöst.

      Handlungsempfehlungen zur Literaturförderung
      – Aufbau und Sicherung eines Systems von Autorenpatenschaften, das jeder (Grund)schule ermöglicht, regelmäßige Kurse „Kreatives Schreiben“ anzubieten

      – Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit, z. B. durch Kooperation mit Medien (z. B. mdr, Offener Kanal, kulturmd) für eine Reihe „Live aus dem Literaturhaus“

      – Internationaler Blog mit Autorinnen und Autoren aus allen Partnerstädten der Landeshauptstadt – regelmäßige Symposien oder Kongresse mit europäischen Autoren und aus den Partnerstädten mit Lesungen

      – Weiterentwicklung des Literaturhauses

      – Präsentation Magdeburger Literatur auf allen großen Buchmessen Europas (bzw. der Partnerstädte)

      Stadtbibliothek

      Die Stadtbibliothek Magdeburg gehört zu den ältesten kommunalen Bibliotheken in Deutschland und bereitet ihre 500-Jahr-Feier 2025 vor. Ihre Geschichte beginnt mit der Übergabe der Klosterbibliotheken an den Rat der Stadt 1525. Die Stadtbibliothek wird ihre Gründungsgeschichte, die unmittelbar verbunden ist mit der Rolle Magdeburgs als „Propagandazentrum der Reformation“, in einer Kabinettsausstellung dauerhaft präsentieren.

      Die Stadtbibliothek hat im zurückliegenden Jahrzehnt eine neue Fahrbibliothek (2013) angeschafft und eine virtuelle Zweigstelle im Onleiheverbund Sachsen-Anhalt geschaffen. Jetzt ist die Bibliothek auf dem Weg zu einem „dritten Ort“, an dem sich die Nutzer aus unterschiedlichen Motiven aufhalten. Sie nutzen die Bibliothek nicht nur, um Medien zu entleihen, sondern um freie Zeit zu verbringen, zu lernen, sich mit anderen Menschen zu treffen. Öffentliche Bibliotheken sind gleichermaßen Lernorte und Bildungspartner für Kindertagesstätten, Schulen und Weiterbildungseinrichtungen.

      Die Bibliothek hat verschiedene Funktionen und Aufgaben, die sich im Wandel befinden. Zunächst versteht sie sich heute als kommunales Informationszentrum. Die Balance zwischen öffentlichem Auftrag, Entwicklungen im Medienmarkt und Erwartungen der Nutzenden muss zu einer weiteren Schärfung des Profils der Stadtbibliothek werden.

      Eine weitere wichtige Funktion der Stadtbibliothek ist ihre Rolle als Lernort und Bildungspartner, dazu gehören vielfältige Aufgaben:
      – Leseförderung
      – Ausbau der digitalen Angebote
      – verbunden mit Anwenderschulungen und
      – Beratungsangebote für Eltern zur Nutzung von Apps, Lernplattformen, hybriden Medien für Kinder sowie
      – Informationsveranstaltungen zu Datenschutz, Persönlichkeitsrechten, Rechercheverfahren
      – kundenfreundliche Medienpräsentationen, Lesungen und Vorträge, interaktive und crossmediale Formate (Makerspaces, Bibliotheksrallyes, Bilderbuchkino, Gaming etc.)
      – (Inter)kulturelle Bildung

      Die Stadtbibliothek Magdeburg trägt dieser Entwicklung Rechnung mit stärkerer Kundenorientierung bei Auswahl und Präsentation der Medien, Verbesserung der Aufenthaltsqualität und einem vielgestaltigen hochwertigen Veranstaltungsangebot für alle Generationen. Hohe Besucherzahlen an Samstagen und die außerordentlich gute Resonanz auf Angebote am Wochenende lassen vermuten, dass eine Verlängerung der Öffnungszeiten am Wochenende die Rolle der Stadtbibliothek als Kommunales Informationszentrum aufwertet. Unabhängig von rechtlichen Voraussetzungen (Sonntagsöffnung) sollte die Stadtbibliothek Magdeburg mit der Umstellung auf den zeitgemäßen Standard der Medienverbuchung mittels Funketiketten (RFID) den notwendigen Schritt in diese Richtung gehen. RFID ermöglicht die Etablierung von Selbstbedienungsservices, was die Ausweitung der Öffnungszeiten ohne zusätzliches Personal möglich macht.

      Schutz des historischen Bestandes, Provenienzforschung, Digitalisierung

      Die Stadtbibliothek Magdeburg verfügt über einen wertvollen Bestand historischer Druckwerke, Bücher sowie Zeitungen und Zeitschriften (Altbestand). Sie verwahrt darüber hinaus Sammlungen historischer Kinderbücher, von DDR-Literatur sowie eine Schallplattensammlung. Diese wertvollen Kulturgüter sind Teil des kulturellen Gedächtnisses der Stadt Magdeburg und besonders schützenswert. Bezüglich der Provenienz der vor 1945 erschienenen Werke wurde 2017 mit Unterstützung der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste ein wissenschaftlicher Erstcheck durchgeführt, der weiteren Forschungsbedarf offenbart hat. Bezüglich der Digitalisierung besonders wertvoller Objekte aus dem Altbestand oder den Sammlungen bedarf es einer Gesamtstrategie auf Landesebene. Die Erfassung und Aufarbeitung der aus Georgien zurück gegebenen Bestände, die nach dem 2. Weltkrieg geraubt worden waren, steht ebenfalls auf der Agenda. Die Stadtbibliothek Magdeburg benötigt Ressourcen zur Erhaltung ihrer historischen Bestände und zur wissenschaftlichen Begleitforschung.

      Sicherung und Modernisierung der Standorte

      Das System Stadtbibliothek Magdeburg umfasst derzeit neben der Zentralbibliothek im Breiten Weg drei Stadtteilbibliotheken (Flora-Park, Reform, Sudenburg) und eine Fahrbibliothek. Um die Standorte langfristig zu sichern und den geänderten Anforderungen gerecht zu werden, sind verschiedene kurzfristige Investitionen erforderlich (Klimatisierung der Fahrbibliothek, barrierefreier Umbau, kostenloses WLAN, Lärmschutzmaßnahmen). Mittel- und langfristig stehen die Modernisierung und energetische Sanierung der Zentralbibliothek an.

      Für eine moderne, kundenorientierte Stadtbibliothek, die als Kommunales Informations-
      zentrum Bildungs- und Kultureinrichtung zugleich ist, sind drei Säulen konstitutiv:

      • Bestand und Beratung: ein aktueller, attraktiver, nach bibliotheksfachlichen Grundsätzen gemanagter Bestand bleibt Grundlage aller Aktivitäten. Beratung, Präsentation, begleitende Veranstaltungsangebote gewinnen an Bedeutung und müssen ausgebaut werden.

      • Förderung von Lese- und Medienkompetenz: Lesen bleibt auch im digitalen Zeitalter die wichtigste Kulturtechnik. Als öffentliche Bibliothek unterstützt die Stadtbibliothek Kindereinrichtungen und Schulen beim Erwerb von Lese- und Medienkompetenz und entwickelt zudem eigene Angebote zur Leseförderung, insbesondere für Kinder und Familien.

      Mit Beratungs- und Schulungsangeboten unterstützt die Stadtbibliothek alle Generationen auf dem Weg in die digitale Gesellschaft.

      (Inter)kulturelle Bildung
      Als Kommunales Informationszentrum verfügt die Stadtbibliothek über die größte Vielfalt an Medien in Bezug auf Inhalte und Formate. Dieser reiche Schatz bietet umfangreiche Potentiale für die kulturelle Bildungsarbeit bezogen auf alle Generationen, die ohne Kooperation mit zahlreichen Partnern aus Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung nicht möglich wäre. Dies muss langfristig gesichert werden.

      Handlungsempfehlungen
      – Unterstützung und Förderung der Stadtbibliothek bei der Weiterentwicklung zu einem „Dritten Ort“;
      – Umfassende Unterstützung bei allen Aspekten der Digitalisierung (vom Onleihe-Verbund über
      RFID-Ausleihverfahren bis zum virtuellen Leseklub);
      – Förderung der Zusammenarbeit im interkulturellen Bereich
      – Erfahrungsaustausch mit Schul-, Hochschul- und kirchlichen Bibliotheken

      6.2.7 Musik

      Musikstadt Magdeburg

      Die Stadt Magdeburg kann auf eine reiche musikalische Tradition verweisen. Große Musiker
      wurden hier geboren oder haben hier gewirkt. Im 16. und 17. Jahrhundert leisteten hiesige
      Musiker einen so bedeutenden Beitrag zur Entwicklung einer eigenständigen
      protestantischen Kirchenmusik, dass anerkennend von der „Magdeburger Schule“
      gesprochen wurde. Auch ist Magdeburg die Geburtsstadt von Georg Philipp Telemann,
      einem der bedeutendsten Komponisten der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, und kein Geringerer als Richard Wagner wirkte in dieser Stadt, in der er erste Theatererfahrungen sammeln konnte und in der seine Oper „Das Liebesverbot“ uraufgeführt wurde. Im 19. Jahrhundert entstand auch ein reges Chorwesen, das dazu führte, dass bis zum heutigen Tag viele Magdeburger in den
      zahlreichen Chören der Stadt selbst musizieren. Gottfried Michael Koenig, der Weggefährte
      von Karlheinz Stockhausen und selbst Entdecker bisher ungehörter elektronischer
      Klangwelten, wurde hier geboren.
      In den siebziger und achtziger Jahren gingen wichtige Impulse zur Entwicklung einer eigenständigen Rockmusik in der DDR von dieser Stadt aus und wichtige Einzelkünstler und Bands dieser Zeit stammten von hier – eine Entwicklung, die sich bis zum Welterfolg der Magdeburger Band „Tokio Hotel“ zu Beginn der 2000er Jahre fortsetzte. All dies hat Spuren in der Stadt hinterlassen und jeden Abend können die musikbegeisterten Magdeburger heute aus einer Vielzahl von musikalischen Angeboten an den verschiedensten Orten auswählen – von Oper und Sinfoniekonzert über Rock, Jazz und Weltmusik bis hin zur kleinen Form der Kammermusik.

      Aufbauend auf dieser reichen Tradition besteht die Möglichkeit, Magdeburg als Hauptstadt des „Musiklandes Sachsen-Anhalt“ zunehmend zu profilieren.

      Vermittlungsprojekte für Kinder und Jugendliche

      Die Grundlage hierfür muss in erster Linie auch ein vielfältiges musikalisches Angebot für Kinder und Jugendliche sein, um so ein an der Rezeption anspruchsvoller musikalischer Angebote interessiertes Publikum der Zukunft zu bilden sowie die Freude am aktiven Musizieren zu wecken.
      Eine besondere Rolle kommt dabei dem Konservatorium „Georg Philipp Telemann“ und seiner Rock/Pop/Jazz-Abteilung „Thiem 20“ zu. Als größte Musikschule im Land Sachsen-Anhalt sieht das Konservatorium die Pflege und Förderung künstlerisch-kreativer, insbesondere musikalischer Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen sowie die Heranbildung des Nachwuchses für das Laienmusizieren, die Begabtenfindung und -förderung sowie die vorberufliche Fachausbildung bis zur Hochschulreife als seine vorrangigen Aufgaben an.

      Darüber hinaus bieten weitere Einrichtungen in der Landeshauptstadt Magdeburg entsprechende Vermittlungsformate an. Im Bereich der klassischen Musik sei hier die Veranstaltungsreihe „Für junge Hörer“ im Gesellschaftshaus genannt.

      Der Verein Aktion Musik e.V. entwickelt seit 1991 das Gröninger Bad zu einem Ort, an dem Kinder und Jugendliche ihre Fähigkeiten auf dem Gebiet der populären Musik entfalten und darüber hinaus praxisnah Kenntnisse in einer Vielzahl von Medientechniken erwerben können.
      Das Musikalische Kompetenzzentrum, ein gemeinsames Projekt des Kulturbüros der Landeshauptstadt Magdeburg mit dem Land Sachsen-Anhalt bietet Vermittlungsprojekte zur zeitgenössischen Musik an, die sich sowohl an allgemeinbildende Schulen richten, darüber hinaus aber auch junge Musikerinnen und Musiker bei der Komposition und Interpretation neuer Musik fördern.

      Laienchöre und Instrumentalensembles

      Das musikalische Laienschaffen ist im Kulturleben der Landeshauptstadt von großer Bedeutung. In Folge der oben erwähnten bedeutenden Chortradition der Stadt kommt der Mitgliedschaft in einem der zahlreichen Chöre Magdeburgs ein hoher Stellenwert zu.
      Als Forum für die Präsentation dieser chormusikalischen Vielfalt dient das im ca. zweijährigen Rhythmus stattfindende Chorfest Magdeburg, das in den kommenden Jahren in enger Zusammenarbeit zwischen dem Kulturbüro und dem Landeschorverband Sachsen-Anhalt inhaltlich profiliert wird.
      Einigen Magdeburger Laienensembles – Chören sowie Instrumentalensembles (Sinfonieorchester Magdeburger Musikfreunde, Ensemble Junge Musik Sachsen-Anhalt) – wird darüber hinaus das Gesellschaftshaus als Proben- und Aufführungsort zur Verfügung gestellt.

      Populäre Musik

      Die Präsentation hochwertiger Angebote aus dem Bereich der populären Musik (Rock, Pop, Chanson) erfolgt in Magdeburg ganzjährig in erster Linie über die Programm Angebote der Stadtteilkulturzentren (Moritzhof in Nord, Feuerwache in Sudenburg, Volksbad Buckau).
      Einen besonderen Höhepunkt in diesem Musikbereich stellen die jährlich im Frühjahr stattfindenden „Magdeburger Songtage“ dar, die sich in enger Zusammenarbeit zwischen dem Songtage e.V. und dem Kulturbüro zu einem Open-Air-Festival mit internationaler Beteiligung im Turmpark Salbke entwickelt haben.
      Eine Verstärkung der Präsenz im Konzertangebot der Landeshauptstadt könnte zukünftig der Jazz und die improvisierte Musik erfahren. Hierzu sind als regelmäßige Angebote momentan vor allem die traditionsreiche Reihe „Jazz in der Kammer“ im Forum Gestaltung und das Format „Jazz am Turm“ unter der Ägide des Pianisten Oliver Voigt in der Viehbörse zu nennen.
      Hinzu kommen seit 2016 die „Magdeburger Jazztage JETZT“, die jeweils an vier Tagen im April bei international besetzten Konzerten im Forum Gestaltung und im Gesellschaftshaus ein bestimmtes Instrument in den Fokus rücken.
      In diesem Bereich würde ein regelmäßiges Veranstaltungsformat am Wochenende in Form eines „Jazzclubs“ eine Bereicherung im Kulturangebot Magdeburgs darstellen, in das auch die „Echtzeitmusik“ (eine improvisierte Musik an der Schnittstelle zwischen Jazz und Neuer Musik) einbezogen werden könnte.
      Als eine Bereicherung der kulturellen Infrastruktur wird das Probenzentrum in der Karl-Liebknecht-Straße entwickelt, das von der Deutschen Stiftung Rockmusik in Verbindung mit local heroes e.V. getragen wird und zudem Ansatzpunkte für ein europäisches Zentrum der Digitalmusik entwickeln möchte.

      Konzertstätten für klassische Musik

      Als Aufführungsstätte für klassische Kammermusik, Alte Musik und zeitgenössische Ensemblemusik steht der Stadt Magdeburg mit dem Gesellschaftshaus („Haus der Musik“) mit seinen zwei akustisch wie optisch sehr unterschiedlichen Sälen zur Verfügung. Hier finden pro Jahr ca. 100 Konzertveranstaltungen in den hauseigenen Reihen „Kammermusik“, „Klaviermusik“, „Sonntagsmusik“, „Musik am Nachmittag“, „Für junge Hörer“ sowie als Einzelveranstaltungen bzw. Kooperationsprojekte mit weiteren Veranstaltern statt.

      Im Zuge der Sanierung der Basilika im Kloster Unser Lieben Frauen ist dort in enger Zusammenarbeit zwischen Gesellschaftshaus und Kunstmuseum die Schaffung eines Klangraumes geplant, der die Realisierung von multimedialen Projekten in Verbindung von Musik, bildender und darstellender Kunst ermöglicht.
      Der säkularisierte Kircheraum bietet darüber hinaus optimale Bedingungen für die Aufführung mittelalterlicher Musik, die somit ein geeignetes Forum in einer der bedeutendsten Städte des europäischen Mittelalters erhalten würde.
      Zusätzlich steht hier mit der Orgel op. 1000 aus der Werkstatt der Dresdner Firma Jehmlich ein hochwertiges, insbesondere für die Aufführung barocker Werke geeignetes, Instrument zur Verfügung, um die Orgellandschaft im Zentrum Magdeburgs zu bereichern.

      Im Angebot an Spielstätten zur Aufführung klassischer Musik fehlt Magdeburg ein für Orchesteraufführungen geeigneter Konzertort mit einer Platzkapazität für 500 bis 1000 Besucher.
      Der Neu- oder Ausbau eines Konzertsaales würde den Aufführungsmöglichkeiten einen qualitativen Impuls geben und Magdeburg als Gastspielort noch attraktiver machen.

      Internationale Zusammenarbeit

      Neben den bereits erwähnten Jazztagen setzen weitere Veranstaltungsformate auf die Vernetzung mit internationalen Künstlern, Veranstaltern und Festivals.
      Neben dem Festival „SinusTon – Magdeburger Tage der elektroakustischen Musik“ und dem in Zusammenarbeit mit INTERKULTUR e.V. zum internationalen Festival mit Wettbewerb weiterzuentwickelnde Chorfest Magdeburg ist an dieser Stelle auch die geplante Wiederaufnahme des Internationalen August-Gottfried-Ritter-Orgelwettbewerbs an den drei bedeutenden Konzertorgeln im Zentrum der Landeshauptstadt erwähnt. Die Landeshauptstadt verfügt über eine reichhaltige und international beachtete Orgellandschaft. An erster Stelle sind die modernisierten Domorgeln (Schuke-Orgel, vormals Röver) zu nennen, aber auch eine Hermann-Eule-Orgel in der katholischen St. Sebastian Kirche ist ein herausragendes Instrument.

      Über eine besonders ausgeprägte internationale Ausstrahlung verfügen die Magdeburger Telemann-Festtage, die sich seit ihrer ersten Ausgabe im Jahr 1962 zum weltweit wichtigsten Podium für die Musik des in Magdeburg geborenen Komponisten entwickelt haben. Ab 2021 finden die Magdeburger Telemann-Festtage jährlich statt.

      Alle Maßnahmen und Strategien im Telemannbereich werden langfristig das Telemann-Jahr 2031 (350. Geburtstag G. Ph. Telemanns) im Blick zu behalten haben.

      Handlungsempfehlungen:
      • Gründung einer „Akademie für darstellende Kunst und Musik“ in Verbindung mit dem
      Musikalischen Kompetenzzentrum Sachsen-Anhalt;
      • Schaffung einer „Kindermusikakademie“ (Erarbeitung von musiktheatralischen Projekten mit Kindern inkl. Aufführung im Gesellschaftshaus);
      • Unterstützung der Deutschen Stiftung Rockmusik bei der Entwicklung des Proben- und
      Musikzentrums in der Liebknechtstraße;
      • Entwicklung der Klosterkirche zu einem Aufführungsort für mittelalterliche Musik.
      • Unterstützung und Förderung von Projekten, die der Internationalisierung des Kulturlebens dienen
      • Prüfung der Errichtung eines neuen Konzertsaals.

      6.2.8 Stadtteil- und Soziokultur

      In den 1970er Jahren forderte der Nürnberger Kulturdezernent, Hermann Glaser, dass jegliche Kultur Soziokultur sein solle. „Kultur von allen, für alle“ (H. Glaser). Der Wortteil „Sozio“ verweist darauf, dass Kultur und Kunst eng mit der Gesellschaft – dem Sozium – verknüpft werden. Soziokultur wirkt in viele Bereiche, die nicht im engeren Sinn zum Kulturbereich gehören, wie Kinder- und Jugendarbeit, Bildung, Soziales, Siedlungsentwicklung und Umwelt. Ausführliche Informationen finden Sie auf den folgenden Seiten.
      In der heutigen Zeit klingt „Kultur für alle“ paternalistisch, und als neues Motto gilt „KULTUR MIT ALLEN!“

      Soziokulturelle Zentren sind
      – Orte gesellschaftlichen und sozialen Zusammenhalts und Wirkens
      – Orte der Geselligkeit und des Austauschs
      – Kulturelle Bildungsstätten und Dienstleister

      Das Konzept Soziokultur resultiert aus den Entwicklungen einer neuen Kulturpolitik der 70er Jahre in den alten Bundesländern und fand in Sachsen eine Erweiterung um Traditionen aus der Klub- und Kulturhausarbeit der ehemaligen DDR. Beiden Entwicklungen ist ein weiter Kulturbegriff gemein.

      Eine gemeinwesenorientierte, sparten-, themen-, ressort- und generationsübergreifende Kulturpraxis, die eine breite Teilnahme und Aktivierung (künstlerisch, gesellschaftlich) der Bevölkerung anvisiert. Soziokulturelle Zentren sind sowohl kulturelle Dienstleister als auch Orte gesellschaftlichen und sozialen Zusammenhalts. Die Arbeitsweise soziokultureller Zentren zielt auf kulturelle Bildung der Individuen und kulturelle Gestaltung von Gesellschaft im weitesten Sinne.

      Die soziokulturelle Arbeit in Sachsen-Anhalt wird durch den Landesverband soziokultureller Zentren LASSA e. V. koordiniert. In diesem Dachverband sind folgende Einrichtungen aus Magdeburg Mitglied:
      – Soziokulturelles Zentrum Volksbad Buckau / Fraueninitiative Magdeburg e. V.
      – Feuerwache Sudenburg PAKK e. V.
      – ARTist! e. V. Moritzhof, Magdeburg-Neue Neustadt
      – Kulturszene Magdeburg e. V. – Kulturfestung Mark
      – Kulturanker e. V.

      Die hier genannten soziokulturellen Einrichtungen (außer Kulturanker e. V) verfügen über städtisch geförderte Häuser, die ein Kulturprogramm mit unterschiedlichen Schwerpunkten (Musik, Film, Theater, Workshops) anbieten. Kulturanker e. V. und weitere Vereine (CSD / Christopher Street Day oder KanTe e. V.) sind Veranstalter, die an wechselnden Orten mit soziokulturellen Angeboten in der Stadt aktiv werden.

      Das Angebot an soziokulturellen Einrichtungen in der Stadt ist jedoch größer: so sind das Gröninger Bad („Aktion Musik e. V.), das Familienhaus im Nordpark, das „einewelt-Haus“ in der Schellingstraße, das Kulturhaus Olvenstedt, Werk 4 in Buckau oder das Soziokulturelle Zentrum im Stadtteil Beyendorf-Sohlen zu nennen. Hinzu kommen noch migrantische Vereine (wie z. B. Meridian e. V., Deutsch-Bulgarische soziokulturelle Vereinigung, BLEIBT, die ihre Arbeit als „soziokulturell“ verstehen.

      Soziokulturelle Einrichtungen sollen möglichst viele der folgenden Merkmale aufweisen:
      • Ermöglichung offener Kommunikation und Begegnung (Raum für Vereine und Initiativen)
      • Förderung kultureller Bildung und interkultureller Kompetenz
      • Ermöglichung künstlerischen und kreativen Schaffens in verschiedenen Sparten, sowohl rezeptiv als auch partizipativ, professionell und durch Laien (etwa: Theater, Tanz, Film/Medien, Musik, Literatur, Malerei, Grafik, Bildhauerei, Handwerk, Fotografie etc.)
      • Stadtteil- und Gemeinwesenarbeit
      • Förderung von Demokratieentwicklung und politischer Bildung
      • Generationsübergreifende Arbeit
      • Inter- und transkulturelle Angebote
      • Kinder- und Jugendarbeit gemäß § 11 SGB VIII
      • Barrierefreiheit / Inklusiver Ansatz
      • günstige Eintrittspreisen (Non-Profit-Einrichtungen)
      • pädagogische und digitale Angebote für Jung bis Alt
      • experimentelle, innovative und zeitgenössische Kunst und Musik fördern
      • Raum für Vereine und Initiativen

      Die Arbeitsweise Soziokultureller Zentren zeichnet sich dadurch aus, dass sie die unterschiedlichen Arbeitsbereiche (Kultur-, Jugend-, Sozial- und Bildungsarbeit) miteinander verknüpft. Ein bloßes Nebeneinander der einzelnen Felder entspricht nicht der soziokulturellen Programmatik. Alle Arbeitsbereiche sollten sich aufeinander beziehen und somit insgesamt die Programmatik eines Hauses tragen (ganzheitliche Betrachtung z.B. von Jugend- und Senior/innen-Arbeit als soziokulturelle Arbeit mit bestimmten Zielgruppen). Soziokultur ist der Bereich mit dem größten ehrenamtlichen Engagement. Im bundesweiten Durchschnitt kommen vier bis fünf Freiwillige auf eine hauptamtliche Kraft. Für die hauptamtlich Beschäftigten sind befristete Verträge und untertarifliche Bezahlung häufig.

      Der Austausch und die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen soziokulturellen Einrichtungen in Magdeburg findet einerseits über den Dachverband LASSA e. V. , welcher auch zu Fragen von Fördermitteln berät und unterstützt. Andererseits bietet der Kulturschutzbund Magdeburg e. V., dem auch noch andere Kultureinrichtungen angehören, ein wichtiges Forum für gemeinsame Aktivitäten, beispielsweise für die jährliche „Kulturnacht“.

      Soziokulturelle Vereine führen in Kooperation mit anderen Einrichtungen stadtteilbezogene Bildungs- und Kulturprojekte außerhalb ihrer Häuser durch. Ein Beispiel ist das vom Bundesinnenministerium finanzierte „Modellvorhaben Miteinander im Quartier – Förderung ressortübergreifender Maßnahmen in der Sozialen Stadt“, das im Magdeburger Stadtteil Neue Neustadt unter dem Namen „Utopolis – Auf die Plätze“ erfolgreich durchgeführt wird. Mittelfristig sollten vom Bund geförderte Modellvorhaben durch kommunale Unterstützung verstetigt werden.

      Die Magdeburger Kino-Landschaft kann ebenfalls im soziokulturellen Kontext betrachtet werden. Es gibt drei Programmkinos mit soziokulturellem Anspruch: Moritzhof mit drei Sälen und insgesamt 330 Plätzen sowie das Studiokino und das Oli in Stadtfeld mit jeweils einem Raum. Letzteres ist technisch lediglich mit DVD- und BluRay-Projektionstechnik ausgestattet. Demgegenüber stehen zwei kommerzielle Groß-Kinos mit jeweils neun Sälen und jeweils mehr als 2.000 Plätzen.
      Das Studiokino richtet alljährlich in Zusammenarbeit mit der Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt die Filmkunsttage Sachsen-Anhalt aus. Und arbeitet mit der Volkshochschule zusammen.
      Der Moritzhof richtet zusammen mit dem Institut Francais die Sachsen-Anhalt-weite „Französische Filmwoche“ aus, außerdem CINESPANOL – Das spanischsprachige Filmfest, CINEMA ITALIA, die FRANKO.FOLIE! und für Kinder das Kinderfilmfest MAX. Dazu kommen die Reihen Wissenschaftskino (unterstützt durch die Stadt), Global Cinema und die Reihe „Film & Gespräch“.

      Die vielfältigen Herausforderungen an die soziokulturellen Träger (z. B. Digitalisierung im Kinobereich, barrierefreie Zugänge, zeitgenössische Kulturangebote) erfordern eine verlässliche und auskömmliche Finanzierung, damit diese Einrichtungen zukunftsfähig bleiben können.

      Handlungsempfehlungen:
      – Auskömmliche und bedarfsgerechte Unterstützung der bestehenden soziokulturellen Einrichtungen;
      – Förderung soziokulturelle Projekte in den Stadtteilen und für bestimmte Zielgruppen;
      – Unterstützung der Fortbildung, des Austauschs und der Vernetzung der soziokulturellen Vereine,
      Initiativen und Häuser;
      – Erhalt der Kino-Landschaft

      6.2.9 Theater

      Das Theater der Landeshauptstadt (TdL) ist ein Eigenbetrieb der Landeshauptstadt Magdeburg mit über 400 Mitarbeitenden aus 30 Nationen der größte Kulturbetrieb in der Stadt. Mit über 700 Vorstellungen und Veranstaltungen (Oper, Schauspiel, Konzert, Ballett und weiteren Formaten) erreicht das Haus knapp 200.000 Menschen jährlich.
      Die Institution ist Mitglied in verschiedenen internationalen Netzwerken:
      – Opera Europa, Brüssel
      – European Theatre Convention (ETC) Berlin
      – Fedora, Paris, The European Circle of Philanthropists of Opera and Ballet
      – Koproduktionspartner sind unter anderem in Bytom, Cardiff, Glasgow, Kiew, Leeds, Nizza, Rouen, Wales
      Das TdL versteht sich als Zentrum der Exzellenz, vor allem auch durch Unterstützung international anerkannter Künstlerinnen und Künstler.

      Für das kommende Jahrzehnt will das TdL den Fortbestand der Bühnen auf eine gesicherte Grundlage stellen, um die künstlerische Qualität zu erhalten, zu fördern und zu steigern. Die künstlerische Ausstrahlung der Einrichtungen als überregionaler kultureller Botschafter solle gefördert werden.

      Im Bereich der kulturellen Bildung sollen die künstlerischen Kompetenzen der Institution eingesetzt werden, indem die Weiterentwicklung der Theaterpädagogik durch generationenübergreifende Projekte erfolgt. Ein weiterer Ausbau der Theaterpädagogik erfolgt vor allem, um Pluralität und Diversität im Betrieb und in der Zuschauerschaft zu ermöglichen. Das TdL hat sich in viele Richtungen geöffnet, um „KULTUR MIT ALLEN“ zu ermöglichen. Beispiel ist das Bürger Ensemble, das aus Menschen aller Altersgruppen besteht und das Angebot des professionellen Schauspiels ergänzt, z. B. durch szenische Aktionen im Einkaufszentrum, Überraschungsauftritte in der Straßenbahn, spontane Befragungen an der Elbe oder die Entdeckung lebender Stadtbewohner als Ausstellungsobjekte im Museum.

      Da Theater und Musik die Dialog- und Wandlungsfähigkeit der Gesellschaft befördern, werden in den kommenden Spielzeiten folgende Vorhaben umgesetzt:
      • Uraufführungen:
      Schauspiel: internationale Themen und Themen der Gegenwart
      Ballett: Erweiterung der Konzepte über Handlungsballette hinaus
      Musik: Neue Musik;
      • Klingende Klassenzimmer mit einer Personalstärke, die dies zusätzlich zum Dienst im Theater ermöglicht;
      • Zeitgenössische und moderne Musik mehr fördern, auch, wenn Zuschauerzahlen erst einmal sinken;
      • Integrationsorientierte und spartenübergreifende Familienkonzerte und -veranstaltungen erweitern bzw. einführen mit Kompositionen aus anderen Kulturen (z.B. arabischen, asiatischen, südamerikanischen) .
      Die Kernaufgaben in den vier Sparten Musiktheater (Oper, Operette, Musical), Ballet, Schauspiel und Philharmonie (10 Konzerte, 6 Kammerkonzerte) orientieren sich an einem überwiegend klassischen Repertoire. Ergänzt wird dies durch Sonntagsmatineen, Gastspiele, Lesungen, Dramaturgengespräche bis hin zur Kochshow mit Prominenten „Magdeburger Allerlei“.

      Das TdL sieht als Hauptherausforderung die Gewinnung der jüngeren Generationen als Publikum. Ebenso wird der Fachkräftemangel (insbesondere in den handwerklichen Bereichen, wie Maske, Technik, Schneiderei) als zukünftiges Problem angesehen. In diesen beiden Feldern entwickelt das Team des TdL neue Konzepte für die Zukunft.

      Das Theater Magdeburg hat als Stadttheater der Landeshauptstadt den Anspruch, Theater für alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt und der Region zu sein und vor allem auch der zugewanderten Bürgerinnen und Bürger zu erreichen. Selbstverständnis und Anspruch der vier Sparten des Theaters beschreiben folgende Begriffe:
      • Theater als Ort sinnlicher Erfahrung
      • Theater als Forum für die Bürger unserer Stadt
      • Theater als Ausbildungsort
      • Theater als Ort internationaler Begegnungen
      • Theater als Geschichtswerkstatt
      • Theater als Gegenwartsforschung
      • Theater als Zukunftslabor
      • Theater als Wirtschaftsfaktor

      Handlungsempfehlungen:

      Für die Entwicklung der Kulturlandschaft in Magdeburg sind im Kontext des Theaters folgende Aspekte wichtig:
      ◦ Schaffung eines neuen Orchesterprobenraums
      ◦ Überlegungen zu Alternativen zum DomplatzOpenAir und damit zu neuen Standorten für das Sommertheater
      ◦ Erhalt und Steigerung der Qualität der künstlerischen Arbeit
      ◦ Erhöhung des Anteils der künstlerischen Arbeit am Gesamtetat
      ◦ Bekenntnis zum Vier-Sparten-Haus und zum Ensembletheater
      ◦ Transkulturelle und generationenübergreifende theaterpädagogische Arbeit in allen Sparten
      ◦ Ausbau internationaler Kontakte
      ◦ Weiterentwicklung des Theaters als Forum der Bürgerschaft
      ◦ Entwicklung der Landeshauptstadt mit Hilfe der Qualität des Theaters zu einer überregional beachteten Kulturmetropole

      Puppentheater

      Der zweite Eigenbetrieb der Landeshauptstadt ist das Puppentheater, welches sich als komplexer Kulturbetrieb präsentiert. Neben dem eigentlichen Theaterbetrieb besteht das Puppentheater aus den Säulen Festival „Blickwechsel“, Kinder-Kultur-Tage, Jugendkunstschule (THIEM20), dem Museum und der Figurensammlung „Villa P.“.
      Das Puppentheater mit vielfältigen Angeboten für Kinder, fühlt sich verpflichtet zu künstlerischer Stellungnahme und künstlerischem Widerspruch mit einer klaren Positionierung gegen extremistische Tendenzen, gegen Populismus und Rassismus.
      Neben einem zunehmenden Bedarf und einer steigenden Nachfrage nach kulturellen Angeboten für Kinder, hier wirken sich auch verstärkt die gestiegenen Geburtenraten aus, besteht die Notwendigkeit der Vermittlung interkultureller Kompetenzen, wie die kulturelle Teilhabe von Geflüchteten und Menschen mit Migrationshintergrund.

      Für das Puppentheater Magdeburg gilt, dass die älteste darstellende Kunstform durch Innovationen weiterzuentwickeln ist und dabei Traditionen zu wahren sind.

      Internationales Figurentheaterfestival „Blickwechsel“
      Das bislang noch immer einzige kontinuierlich stattfindende Sprech– und Performancetheaterfestival in Sachsen-Anhalt konnte im Verlauf der letzten Jahre zu einem der europaweit beachteten Festivals des Genres entwickelt werden. Das Festival stärkt die internationale Wirkung und Ausstrahlung der Stadt als eines der wenigen internationalen Kulturprojekte.

      Das Festival ist als eines der derzeit wichtigsten Formate mit internationaler Beteiligung und Ausstrahlung in der Landeshauptstadt auszubauen.
      Inhaltlich wird das Festival weiter Themen in den Fokus rücken, die vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen künstlerische Interventionen in den Stadtraum hineintragen.
      Dabei stehen der Partizipationsgedanke und das Hineinwirken in die Stadtgesellschaft im Fokus.

      KinderKulturTage
      Die KinderKulturTage haben sich zum größten Kreativ-Festival für Kinder aller Altersgruppen in Magdeburg entwickelt. Das Ziel des Festivals ist nicht die Konsumtion kultureller Angebote, sondern das Entdecken der eigenen Kreativität.
      Projekte der KinderKulturTage leisten einen wichtigen Beitrag zur Persönlichkeitsentfaltung.
      Im Sinne eines nachhaltigen Wirkens werden einzelne Projekte nicht nur allein in der unmittelbaren Festivalwoche realisiert.
      Bereits mehrere Wochen oder Monate vor der eigentlichen Festivalwoche werden Langzeit-workshops ausgeschrieben, die während der Woche präsentiert werden.
      So fungieren die KinderKulturTage als Netzwerk, das professionelle Künstler*innen der Stadt für kreative Projekte in Kindertagesstätten und Schulen vermittelt. Die Angebote werden auch niederschwellig vorgehalten und sind für die Teilnehmenden kostenfrei zu nutzen. Die Workshops und das Festival finden dezentral in der Stadt – in Künstlerateliers, Jugendkunstschule, Konservatorium, Bibliothek, Theater, Vereinen usw. – statt und helfen, Hemmschwellen zu überwinden.

      Die KinderKulturTage wurden bislang als KinderKulturTage der Stadt Magdeburg ausgerichtet. Dieses Festival der Kreativität soll mittelfristig zu einem jährlichen europäischen Kinderfestival weiterentwickelt werden. Es soll den interkulturellen Austausch fördern, bei dem Weltoffenheit und das Entdecken der Kraft der Kreativität im Fokus stehen.

      Jugendkunstschule
      Die Jugendkunstschule hält ein ausgebautes ergänzendes Bildungsangebot im Bereich der Ästhetischen Elementarbildung und Kunstpädagogik für Kindertagesstätten, Schulen und Berufsbildende Einrichtungen vor. Die Angebote richten sich an Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Familien, die nach einem schöpferischen und selbstbestimmten künstlerischen Lernort in der Freizeit suchen.
      Die Arbeit erfolgt in Projektarbeiten mit Schulklassen aller Schulformen und jüngeren Kindergruppen, sowie in Kunstklassen, Kunstkursen und Kunstsemestern.
      Zunehmend gefragt sind Familienangebote in Form von Sonntagswerkstätten und Familienworkshops.
      Diese wurden verstärkt in das Programm aufgenommen und verdeutlichen den Bedarf nach kultureller Kinder – und Jugendbildung. Dieser Nachfrage muss nach wie vor mehr Aufmerksamkeit zukommen, was mit einer besseren personellen Ausstattung möglich wäre.

      Die Jugendkunstschule stellt sich zudem auch den aktuellen Herausforderungen mit neuen zeitgemäßen inhaltlichen Angeboten. So finden sich zunehmend Projekte mit innovativen Methoden, modernen Medien und im Multimediabereich im Portfolio der Jugendkunstschule.

      Sanierung des Kutscherhauses
      Die geplante Sanierung des denkmalgeschützten „Kutscherhauses“ auf dem Gelände des Puppentheaters soll bis 2022 zur Unterstützung dieser Pläne realisiert werden.
      Hier entstehen Probenmöglichkeiten, die die Chance bieten, die Bühnen selbst von Probenterminen zu entlasten, und damit das Vorstellungsangebot der Nachfrage anzupassen. Zudem müssen Arbeitsräume entstehen, die den quantitativen und qualitativen neuen Herausforderungen gerecht werden. Der Personalbestand im Darstellerbereich soll den größeren Anforderungen angepasst werden.

      Mitteldeutsches Figurentheaterzentrum^
      Die perspektivische Entwicklung eines Mitteldeutsches Figurentheaterzentrum (MDFTZ) gründet auf den vier Säulen Puppentheater, Sammlung, Festival und Bildung.
      Der Anspruch an ein MDFTZ kann erfüllt werden, wenn die Voraussetzungen für Forschung und Entwicklungsarbeit für das Genre insgesamt geschaffen werden und über Sachsen-Anhalt hinaus wirksam wird. Eine enge Verbindung mit der „Akademie für Darstellende Kunst und Musik“ wird angestrebt.

      Handlungsempfehlung:
      – Auskömmliche und bedarfsgerechte Förderung des Puppentheaters
      – Ausbau und Sicherung des internationalen Figurentheaterfestivals „Blickwechsel“
      – Europäische KinderKulturTage: Die künftig notwendige Finanzierung und die Organisationsstruktur
      jährlicher „Europäischer KinderKulturTage“ in Magdeburg ist zu sichern;
      – Sicherung und Stärkung der Jugendkunstschule;
      – Sanierung des Kutscherhauses;
      – Fortführung der Entwicklung eines Mitteldeutsches Figurentheaterzentrums.

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Antwort auf: Handlungsempfehlungen – II
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